Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 93. Band, (Jahrgang 1879)

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Werner. 
mit dem unzweideutigen Wortlaute dieser Stelle nur dadurch 
abzufinden, dass er, zwischen Corruptio secundum substantiam 
und Corruptio secundum esse unterscheidend, daselbst vom In- 
tellectus possibilis nur eine Corruptio secundum esse ausgesagt 
findet, welche von der Corruptio secundum substantiam sich da 
durch unterscheidet, dass sie nicht das Aufhören der Existenz 
als solcher, sondern bloss das Aufhören einer bestimmten 
Existenzweise des Seienden bedeutet. Corruptio secundum esse 
bedeutet für den Intellectus possibilis das Aufhören jener Seins 
weise, welche ihm zufolge seiner Verbindung mit der Anima 
sensitiva und vegetativa im sterblichen Menschenleibe eigen 
ist; dem Leibe entrückt, tritt er aus dieser Verbindung heraus, 
und existirt als blosser Intellect, während der Intellectus agens 
als immixtus niemals anders denn als blosser Intellect existiren, 
demzufolge eine substanzielle Einigung mit etwas unter ihm 
niemals eingehen kann. Ob wohl Baco je daran dachte, dass 
unter solchen Voraussetzungen auch die Incarnation des ewigen 
Gotteswortes zu etwas Undenkbaren gemacht werde? 
Baco stützte sich in der Interpretation des Aristoteles 
auf die arabische Auslegung, als deren mustergiltiger Reprä 
sentant ihm Avicenna galt. Wir sahen bereits, wie enge er 
sich in der Darlegung der Functionen der Anima sensitiva an 
ihn anschliesst; und auch seine Behauptung von der Incorrup- 
tibilität .des in der intellectiven Seele sich darstellenden Intel 
lectus possibilis darf als eine Entscheidung für die Auetorität 
des Avicenna im Gegensätze zu jener des sonst immerhin auch 
von Baco hochgehaltenen Averroes angesehen werden. Nur 
hierin weicht er entschieden von Avicenna ah, dass er die in- 
tellective Seele nicht als reines Formwesen nimmt, sondern 
gleich allem Geschaffenen aus Materie und Form sich zusammen 
gesetzt denkt; damit steht in Verbindung jene Verwerfung der 
metaphysischen Bedeutung des logischen Allgemeingedankens, 
welche seinen Gegensatz zur Schule Alberts begründet, und 
darin ihren Grund hat, dass er das mathematisch gebildete 
Denken für das einzige dem Zeitmenschen zu Gebote stehende 
Vehikel einer wissenschaftlichen Bewältigung des sinnlich-irdi 
schen Erfahrungswissens des Menschen ansieht. Ihm ist es 
eben nicht um eine Bewältigung des in der sinnlichen Erfahrung 
Gegebenen durch Allgemeinbegriffe, sondern vielmehr um die
	        
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