Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph C li m e 1. 
Vor allem wichtig sind die beiden Bullen Papst Nicolaus’ V. vom 
16. und 19. März 1452, durch welche er die Vollziehung zweier 
Krönungenb eurkundet *). 
In der ersten sagt Papst Nicolaus V. Folgendes: „Er (Papst) 
auf die höchste Warte der streitenden Kirche gestellt, obschon ver 
pflichtet darüber zu wachen, dass alle orthodoxen Könige zur 
Förderung des Friedens und der Gerechtigkeit bei ihren Völkern 
fortwährend in Aufnahme kommen, wende doch um desto lieber allen 
Fleiss an, dass der römische König auf würdige Weise zur 
kaiserlichen Ehre und Würde gelange, je mehr Er selbst aus 
eigener Erfahrung die eifrige Ergebenheit desselben gegen Ihn 
und den apostolischen Stuhl erprobt habe. König Friedrich 
hat auseinander gesetzt, dass er zwar bei seinem Eintritt in Italien 
um die Kaiserkrone aus seinen Händen zu empfangen früher be 
schlossen habe, sich persönlich nach Mailand zu begeben, um dort 
die ihm gebührende Krone des Königsreichs der Lombardei mit 
gewöhnlicher Feierlichkeit'aus den Händen des Erzbischofs von 
Mailand zu empfangen, wie bekanntlich einige seiner Vorfahren 
(römische Könige) gethan. Weil aber in einigen Theilen der Lom- 
so häufig findet selbst bei denen, welche sich für historisch gebildet halten. 
Man studirt eben Geschichte nur aus Compendien oder aus Geschichtsschrei 
bern, die ihre Darstellung selten aus den Originalquellen schöpften. — 
Welchen Begriff hat man zum Beispiele von Maximilians Idee, Papst zu 
werden, das heisst die geistliche und weltliche Macht in sich zu vereinen, 
wie etwa das Oberhaupt der griechischen Kirche? Wir gestehen, dass wir in 
dieser Beziehung eine erschreckende Seichtigkeit und Oberflächlichkeit des 
historischen Wissens in Oesterreich mit Freiinüthigkeit beklagen müssen. — 
Es. ist mithin keine unnütze Arbeit, die Verhältnisse auf eine Weise zu be 
leuchten, die wir historische Anatomie nennen möchten. — Wir wollen 
nämlich die urkundlichen Aeusserungen der Handelnden bis ins Einzelnste 
verfolgen und unbefangen darlegen. 
Zu den grellsten Beweisen von höchst beschränkten Ansichten muss man 
gewiss die häufig gehörte Aeusserung zählen, „das sind m i t tel al tri ge 
Zustände, das sind tempi passaii." — In der römisch-katholischen 
Kiiche, welche mit grösster Consequenz ihre Principien bewahrt, bleiben die 
Verhältnisse, nur die Personen wechseln; wir sehen, dass die Ge 
schichtsschreiber von katholischer Gesinnung durchaus ihre Darstellung der 
Begebenheiten und Verhältnisse darnach bilden, wir dürfen voraussetzen, dass 
den Meisten diese Werke bekannt sind. — 
l ) Abgedruckt im ersten Bande meiner Regesten K. Friedrich’s IV. Anhang. 
Nr. 95 u. 96.
	        

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