Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Habsburgische Excurse. 
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K. Friedrich IV. hat mit seinem Ahnherrn, dem kräftigen 
Rudolf, wohl nur die Anhänglichkeit an die römische Kirche gemein, 
die ihn mit Recht zu ihren frömmsten Söhnen zählt. 
K. Friedrich IV. hat sich in einer Zeit, die für den päpstlichen 
Stuhl zur gefährlichsten wurde, für ihn erklärt und dadurch sich 
auf immer Ansprüche erworben auf seine Dankbarkeit und seinen 
— Schutz. 
Durch den Sieg über den gefährlifihsten Gegner, das Basler 
Concilium, hatte der römische Papst gegenüber dem römisch-deutschen 
Kaiser und den deutschenReichsfürsten sogleich wieder eine so günstige 
Stellung erhalten, dass der, welcher als oberster Vogt der römischen 
Kirche ihr Schützer sein sollte, selbst ihr Schützling wurde. 
Dazu trugen am meisten die Deutschen und unter den Deut 
schen die Oesterreicher bei. In Oesterreich wurde die Macht des 
Hauses Ilabsburg so geschwächt, dass sie gegen die deutschen 
Reichsfürsten durchaus unkräftig wurde. 
Es sind nun gerade vierhundert Jahre; — die Geschichte des 
Jahres 1452, welches zur traurigen Spaltung eines Länder-Complexes 
den Grund legte, der erst tli eil weise nach 70 Jahren wieder sich 
vereinte, ist gewiss von Interesse; ihre umständliche Erörterung 
jedenfalls lehrreich. 
K. Friedrich IV. war am 15. März des Jahres 1452 mit der 
lombardischen (eisernen?) Krone, am 19. desselben Monats mit der 
goldenen des römisch-deutschen Kaiserthums gekrönt worden — zu 
Rom vom Papste Nicolaus V. 
In den nächst darauf folgenden Tagen ertheilte derselbe dem 
neu gekröntenReiclis-Oberhaupte in mehreren speciell ausgefertigten 
Bullen solche Gnaden, dass ihre genauere Betrachtung uns räthlich 
scheint, sie wird die Stellung des neuen Kaisers zur römischen 
Kirche beleuchten i). 
nicht die Archive, vor allen die römischen, zugänglich und ausgebeutet wer 
den, wird man nur höchst ungenügende Schlüsse machen können. — Ich will 
mich also vor der Hand auf die Zeit beschränken, welche durch meine 
früheren Forschungen, so wie durch so viele Mittheilungen Anderer wenn 
auch noch nicht ganz klar, doch unendlich verständlicher sein dürfte, als die 
des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts. 
1 ) Es ist diese Erörterung um so nöthiger, je unklarer die Begriffe und Ansichten 
sind, welche man über das Verhiiltniss der christlichen Staat e n zur Kirche
	        

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