Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur Geschichte der Wirksamkeit des Basler Concils in Österreich. *) 1 «) 
nachdem ihm sein Propst Georg im Einverständnisse mit dem Capitel 
die nothwendige Erlaubniss ertheilt hatte (5. December) und die 
Hindernisse, welche die Reise verzögerten, theilweise gehoben wa 
ren 1 ). Auf der Reise nach Rasel holte er in Salzburg zugleich mit 
der Vollmacht auch das Verzeichniss all der Wünsche ein, welche er 
im Namen seiner Committenten auf der Synode vertreten sollte 3 ): 
Die Bestätigungen der Wahlen an den Cathedral- und Collegiat- 
kirchen sollen fortan dem päpstlichen Stuhle zustehen, jedoch von 
dort aus nicht übermässige Taxen verlangt werden. Die Einmi 
schungen der Laien in die geistlichen Wahlen, so wie die Bedrü 
ckungen der Kirchen und Klöster durch ihre Schirmherren (advocati) 
sollen gehoben werden. Colomann solle ferner darauf aufmerksam 
machen, dass die Klöster und Kirchen von Seite ihrer Schirmherren 
durchaus keinen Schutz gegen Räuber, Diebe und andere Böse- 
wichter gemessen, dass die Einkünfte von Salzburg und den andern 
Stiften die von einigen vermeinte Höhe bei weitem nicht erreichen, 
indem manche kaum sich und die Ihrigen erhalten können und hei 
Gerstenbrod und Wasser zu leben gezwungen sind 3 ), wozu noch die 
Unbilden von Seite der Burgvögte geistlicher und weltlicher Grossen 
kommen, gegen welche kein Schutz zu finden ist. Erhebe sich ein 
Prälat dagegen, so werde den Bestimmungen des gemeinen Rechtes 
entgegen sofort eine Visitation und bei derselben die Absetzung des 
selben ungerechter Weise durchgesetzt, und zu diesem Zwecke An 
klagen der Untergebenen, welche aus Hass und Neid entspringen, 
hervorgerufen und unterstützt. Weiters sollte er die Väter zu Basel 
darauf hinweisen, wie einerseits die Ansiedler auf den geistlichen 
') Beilage VI. Wir ersehen zugleich aus diesem Notariats-Instrumente die im 
Stifte herrschende Rangordnung: praepositus, decanus, cellerarius, cantor. 
2 ) Beilage V. 
3 ) Wenn man bedenkt, dass die geistlichen Corporationen Österreichs an den 
Landesherrn die Hussitensteuer neben andern Steuern, an den Bischof das 
subsidium cliaritativum (Beilage XLIII) an das Concil die Ablassgelder und 
den halben Zehend zahlen, bei dem Concil mit nicht unbedeutenden Kosten 
(Beilagen VII, VIII, XXII) ihre Procuratoren erhalten mussten, und das alles 
zu einer Zeit, wo die Einkommensquellen durch die Verwüstungen der Hus 
sitenkriege und die immer zunehmende Verarmung ihrer Grundholden von 
Jahr zu Jahr spärlicher flössen, wird man ihre damalige Lage schwerlich be- 
neidenswerth finden.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.