Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

482 v. Karajan. Über eine neue Handschrift von Ottackers Reimchronik. 
SITZUNG VOM 19. MAI 1852. 
Herr Professor Dudik in Brünn sendet Bruchstücke einer in 
einer Stockholmer Handschrift gefundenen Reim-Chronik, mit dem 
Ersuchen um Auskunft, oh sie der Chronik Ottackers von 
Horneck angehören? — Worauf der Präsident der Classe, Heil 
y. Karajan, folgende Auskunft ertheilt: 
Die Handschrift zu Stockholm, von der man leider aus 
Dr. Dudik’s Brief nicht erfährt, ob sie auf Papier oder Pergament, 
oder in welchem Jahrhundert sie geschrieben ist, enthält allerdings 
einen Theil der Reimchronik Ottacker’s, bisher von Horneck genannt. 
Dieser Fund ist um so willkommener, weil er gerade jenem 
Theile des Ottacker’sclien Textes eine neue Grundlage gewährt, 
welcher uns bisher nur in einer einzigen Handschrift, nämlich dei 
Wiener Nr. 3047, olim. ldst. pro/'. XXV, früher noch Nr. 76, 
erhalten war. 
Die Admonter, wie die zweite Wiener Handschrift, Nr. 3040, 
olim. hist. prof. XXVI, früher noch Nr. 75, welche sich durch 
Vollständigkeit der Überlieferung auszeichnet und gute Lesearten 
bietet, enthalten nämlich diesen Theil der Chronik nicht, denn sie 
brechen beide mit Capitel 651 des Pezischen Druckes ab. Über 
alles Folgende war man daher bis zur Stunde hei zweifelhaften 
Stellen lediglich auf die Willkür einer einzigen Handschrift ange 
wiesen, und gerade dieser Theil unserer herrlichen Quelle, welcher 
kein zweites Land des deutschen Bundes eine ähnliche an die Seite 
zu setzen hat, enthällt die wichtigsten Nachrichten und zwar iibei 
Ereignisse, die der Dichter selbst erlebt hat, und in seiner anschau 
lichen und sorgfältigen Weise, dabei mit erwünschter Ausführlich 
keit schildert. Hatte man überhaupt Grund, die Auffindung irgend 
einer neuen Handschrift zur Berichtigung unseres bisher arg ver 
nachlässigten Textes zu wünschen, so war es ganz vorzüglich der 
zweite Theil unserer Quelle, der einen solchen Wunsch immer und 
immer wieder hervorrufen und steigern musste. Um so freudiger 
müssen wir die Entdeckung Dudik’s begrüssen. 
Die Stockholmer Handschrift enthält, so viel ich aus der kurzen 
Mittheilung sehen kann, vorausgesetzt, dass aus der Mitte der
	        

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