Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Über den Ursprung des Privilegium majus von 1156. 481 
Man mag Rudolf IV. anmassend nennen, eitel; ihn aber 
zum Fälsch er machen, ist eben so unpsychologisch als un 
historisch. — 
Die Fälscher und Betrüger sind nicht hochfahrend, nicht anmas 
send und keck, sie sind vielmehr vorsichtig und heimlich. Und wie 
will man die Geschichte der hundert Jahre vor Herzog Rudolf er 
klären?— Und wie wäre es möglich gewesen, dass eine solche 
„Fälschung” durch Rudolf IV. einen glücklichen Erfolg gehabt 
hätte? — Kaiser Karl IV. wird denn doch am Ende so klug ge 
wesen sein, sich nicht hinter’s Licht führen zu lassen ! — 
Die Geschichte zeigt, wie sich die Sonderstellung Österreichs 
allmählich herausgebildet hat, sie war eine Folge der Verhält 
nisse; dass die österreichischen Landesfürsten durch dieselben 
frühzeitig zur Landeshoheit und Selbstständigkeit gelangten, ist 
nach unserer Ansicht dem von der Vorsehung ihnen zugewiesenen 
Berufe gemäss, nicht bloss über Deutsche zu herrschen, sondern 
über viele und verschiedene Völker. — Ich halte diesen Beruf, wie 
ich schon in einem Aufsatze vor vielen Jahren aussprach, für 
einen Segen. 
Im Interesse der Humanität, der Vermittlung und des 
geistigen wie materiellen Verkehrs haben Österreichs Für 
sten zu wirken, — das ist eine herrliche Aufgabe. — 
Ich glaube, diese scbliesst auch die Wahrheit und Gerech 
tigkeit in sich und desshalb nahm ich keinen Anstand, diese Frage 
offen zu verhandeln, — da Jahrhunderte hindurch die Echtheit dieser 
Privilegien bona fide angenommen wurde, jetzt aber die bessere 
Erkenntniss allseitig durchgedrungen ist. 
Sitzb. d. phil.-hist. CI. VIII. Bd. V. Hft. 
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