Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Hypothese über den Ursprung des Privilegium majus von 1156. 449 
Die vier ersten Puncte des Nürnberger Reichsabschiedes („in 
sollempni curia” beschlossen) beziehen sich auf König Ottokar II., wir 
wollen sie mit den Worten Bö hm er’s (Regesten K. Rudolfs, zweite 
Umarbeitung, Nr. 132, Seite 66) hier anführen: Es ward nämlich 
beschlossen: 
1. Dass der Pfalzgraf Richter (iudex, natürlich im dama 
ligen Sinne des Wortes) ist, wenn der König Klagen gegen einen 
Fürsten anbringen will. 
2. Dass der König von allen Gütern, welche Kaiser Friedrich 
schon vor seiner Excommunication besessen und von sonstigen 
heimgefallenen aber (oder) gewaltsam occupirten 
Reichsgütern Besitz ergreifen möge. 
3. Dass jeder Vasall, der binnen Jahr und Tag seine Lehen 
nicht muthet, derselben verlustig sei. 
4. Dass der Pfalz graf den in diesem Falle befindlichen 
König von Böhmen auf den 23. Januar (vom 20. November — 
der Reichsabsehied ist vom 19. November datirt — 6 Wochen, 
3 Tage und noch 18 Tage) des folgenden Jahres 1275 nach 
Wirzburg vor sich laden solle. 
So viel aus der Geschichte und nun zum Inhalte des so 
genannten „Majus” vom Jahre 1156. 
Es existirt nämlich eine Pergament-Urkunde mit angehängter 
goldener Bulle von demselben Tage (17. September 1156), welche 
im Eingänge, in der Erzählung der Veranlassung, Beilegung des 
Streites zwischen beiden Heinrichen (H. Jasomirgott u. H. d. Löwen), 
und im Schlüsse (his auf sechs Zeugen) mit der früher angeführten 
Urkunde dem sogenannten „Minus” übereinstimmt, aber in Betreff des 
Inhaltes eine ganz andere ist, ja in den meisten Dingen das Gegentheil 
beurkundet, so dass die Behauptung einiger Diplomatiker, das Minus 
sei gewissermassen ein Entwurf des „Majus” gewesen, durchaus 
absurd ist. 
Wir haben beim „Minus” gesehen, dass es eine persönliche 
Gnade für den nachgiebigen Jasomirgott gewesen. 
ln dem sogenannten „Majus” hingegen werden die auffallendsten 
Gnaden und Bevorzugungen nicht bloss dem besagten Heinrich, 
seiner Gemaldinn Theodora und ihren Kindern, sondern auch den 
Nachfolgern, ja dem ganzen Lande ertheilt, angeblich nach 
dem Rathe und mit Einwilligung der Fürsten des Reiches, als „jura 
Sitzb. (1. phil.-hist. CI. VIII. Bd. V. Hft. 
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