Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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v. K r e in e r. 
herrlichen Geruch, dass Niemand davon etwas stehlen kann, denn 
der Geruch allein würde ihn verrathen. 
In den Gärten von Kafsa gedeihen auch alle Arten von duftenden 
Kräutern und Wohlgerüchen, als Myrthen, Jasmin, Orangen, Nar- 
eissen, Lilien, Veilchen u. s. w. Die Rosen von Kafsa sind grössten- 
theils weiss und das daraus bereitete Rosenwasser ist vortrefflich, 
und gleicht dem Dschawi (d. i. dem aus Java gebrachten), das aus 
Ägypten bezogen wird. 
In Kafsa werden auch mäntelartige Tücher (Tailesän) und 
Kopfbinden aus Schafwolle verfertiget, die sich durch Feinheit aus 
zeichnen und den Ehrenkleidern (an Feinheit) nahe kommen. Hier 
werden auch Wassergefässe aus einer Thonart verfertiget, die Rib- 
dschije genannt wird, die sehr weiss und fein sind, so dass man ver 
geblich ihresgleichen wo anders suchen würde. Ferner werden in 
Kafsa gute Glaswaaren und schöne Gefässe verfertiget, ebenso ver 
goldete Vasen. 
In allen Dingen zeigt sich Kafsa als eine grosse Stadt und ihre 
Einwohner sind wohlhabende Leute, sehr fromm und Almosen spen 
dend, den Tag Aschura halten sie hoch und wie einen Festtag; sie 
spenden an demselben Almosen und betheilen die Armen mit Klei 
dern. 
Die Stadt Kafsa ist in Bezug auf das von ihr abhängige Gebiet 
eine der grössten Städte von Afrika, denn um sie herum liegen mehr 
als zweihundert wohlbevölkerte Dörfer mit Bäumen und Palmgärten, 
Ölbäumen, Pistazen und allen anderen Obstbäumen, es sind alle 
diese Örter reich an Quellen, Flüssen und Überresten des Alterthumes, 
sie werden die Schlösser von Kafsa genannt, d. i. Kusur-Kafsa, zu 
diesen wird auch die Stadt Tawärik gerechnet, die auf halbem Wege 
zwischen Kafsa und Feddsch.-el-Himär liegt, in der Richtung nach 
Kairowän; es war diese Stadt gross und wohlbevölkert mit einer 
Freitag-Moschee. Die Karawanen pflegten, wenn sie in diese Ge 
gend zogen, die Mäuler ihrer Kameele und Lastthiere zu verbinden, 
damit sie nicht von den Blättern der Bäume weideten, welche hier in 
solcher Menge am Wege stehen. 
Diese Stadt ist aber jetzt öde und verlassen seit der Zeit als die 
Araber Afrika betraten und das Gebiet von Kairowän, so wie viele 
andere Länder, Dörfer und Ortschaften und die meisten Städte in 
Afrika verwüsteten.
	        

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