Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

v. K l* em e r. Description de 1’ Afrique. 
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Blüthen entfaltet, trafen gleichzeitig Kirchenlehrer jene Gefühlvollen, 
die sich auch von den Producten weltlicher Dichtkunst Thränen ent 
locken zu lassen keine Scheu trugen. Sie verweisen ihnen diese 
fabelhaften Thränen, sie eifern wider das Dichtervolk, wider diese 
lügenhaften Scribenten, die statt der Elaborate profunder Gelehrt 
heit die Schöpfungen ihres dichterischen Genius den Gläubigen zum 
Besten geben. Aber vergebens. Die Cultur der religiösen Zähre 
hatte auch die der rein menschlichen und mit ihr die Empfänglich 
keit für das Rührende fördern helfen. Die Enkel Hermanns, deren 
Ahnen den Schmerz um ihre oft blutigen Todten mit einer kurzen 
Tliräne abfertigten, die Enkel des Kriegsfürsten Arminius vergiessen 
jetzt heisse Zähren über die romantischen Leiden der Paladine 
König Arthurs. 
Vortrag des Herrn Prof. v. Krem er über sein vorgelegtes 
Druckwerk: „Description de VAfrique par un arcibe anonyme 
du 6" siecle de l'Hegire. 
Das Werk, von dem ich hier die erste arabische Text-Ausgabe 
vorzulegen die Ehre habe, enthält unter dem Titel: Kitäb-el-Istibsär- 
fi-Adschäib-el-Amsär eine geographische und topographische Schil 
derung des den Arabern bekannten Theiles von Afrika, nämlich: des 
Gebietes der Paschalike von Tripolis und Tunis, dann der jetzt fran 
zösischen Colonie Algier und des marocanischen Reiches bis an die 
Gestade des atlantischen Oceans; — es werden die von diesen Län 
dern ins Innere von Afrika ausgehenden, durch die Sahara führenden 
Handelsstrassen beschrieben und dabei auch die spärlichen Nach 
richten arabischer Reisender über die Städte und Völker des inneren 
Afrika’s angeführt, worunter sich besonders der den Oasen gewidmete 
Artikel durch neue Angaben auszeichnet. 
Bei der Mangelhaftigkeit unserer Nachrichten über diesen Theil 
Afrika’s dürfte die Herausgabe dieses Textes allein schon hinreichend 
gerechtfertiget erscheinen, um so mehr, da diese Gegenden sowohl 
durch die Eroberung Algiers von den Franzosen ein erhöhtes Interesse 
gewonnen haben, als auch dadurch, dass der Handel Österreichs in 
jene Gegenden im stäten Zunehmen begriffen ist. 
Ein anderer Grund aber noch war es, der mich zur Herausgabe 
dieses Textes bestimmte: es ist bekannt, dass gerade der geographi-
	        

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