Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Bericht über eine kunst-archäologische Bereisung Böhmens. 
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Kreuzkirche derselben Stadt ist ein Flügelaltar, dessen Mittelstück 
Maria mit dem Cliristuskinde im Goldgründe darstellt; die Seiten 
flügel enthalten die Bilder einiger Apostel und ein Ecce Homo; am 
Sockel ist die Verklärung Christi dargestellt. Ebendaselbst befindet 
sieh noch ein zweiter Flügelaltar; das Mittelbild desselben stellt die 
Auferstehung Christi, die Seitenflügel die Apostel Petrus und Johan 
nes, dann Jakob und Philipp yor; im obern Theile ist Christus im 
Garten der Magdalena erscheinend, am Sockel aber sind die böhmi 
schen Landespatrone dargestellt. Alle Bilder sind auf Goldgrund, ihr 
Kunstwerth ist sehr bedeutend. 
Im Vorhause der Dechantei zu Chrudim hängen unbeachtet 
zwei herrliche Bilder der altböhmischen Schule. Das erste stellt die 
heil, drei Könige, das zweite die Geburt Christi dar. 
Im Dorfe K o c f nahe bei Chrudim hängen im hölzernen Thurme, 
der zugleich die Vorhalle des Dorfkirchleins bildet, zwei Bilder aus 
dem XVI. Jahrhundert, wovon das eine, das letzte Gericht darstel 
lende, meisterhaft componirt und ausgeführt ist. Leider sind beide 
Bilder sehr beschädigt und mit Schmutz bedeckt. 
Ich beschränke mich bloss darauf, jene alten Tafelgemälde hier 
anzuführen, die ich auf meiner diesjährigen Reise untersucht hatte, 
mit der Bemerkung, dass, soweit mir aus eigener früherer Anschau 
ung und fremden Berichten bekannt ist, Böhmen in seinen Gottes 
häusern noch eine sehr bedeutende Anzahl solcher Bilder besitzt. 
Ein Verzeichniss und eine Sichtung der einheimischen Kunst 
denkmale ist vor allem nothwendig, wenn die Kenntniss und das 
Studium der vaterländischen Kunst- und Kirchenalterthümer einen 
gedeihlichen Anfang in Oesterreich nehmen soll. Bisher hatte man 
zumeist dem Auslande die Aufmerksamkeit zugewendet; denn es war 
viel bequemer das bereits durch Schriften und Abbildungen Bekannte, 
dem Beschauer leicht Zugängliche zu studiren, als sich der mühsa 
men Aufsuchung und Erforschung der einheimischen Kunstreste zu 
unterziehen. Und hatten auch einige wackere Forscher in Oester 
reich die Hand an das mühevolle Werk gelegt und in Monographien 
manches interessante Alterthum vor das Forum der 0Öffentlichkeit 
gebracht, so waren es doch nur vereinzelte Unternehmungen, 
die ohne Zusammenhang unter einander sporadisch auftauchten 
und bloss einzelne Bausteine zur Construirung einer systema-
	        

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