Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof. Jäger. 
kommen oder Stiftung und Dotation von Kirchen oder Laien erworben 
sei. So sehr sie eitrigst wünschen, in allen Gegenständen, wo es die 
Grenzen ihrer Gewalt nicht übersteige, den allerhöchsten Anord 
nungen nachzuleben, so wenig können sie sich doch gegen Gott, 
Papst und Kirche etwas zu Schulden kommen lassen, und sie ziehen 
die Ruhe ihres Gewissens allem irdischen Glücke vor. Zwar wünschten 
sie, dass sie der Papst ermächtigt hätte, oder in Zukunft ermächtigte, 
das Jus collationis oder nominundi bedingt oder unbedingt an den 
König abzutreten; aber so lange dies nicht geschehe und es ihnen 
vielmehr ausdrücklich vom heiligen Stuhle durch das jüngste Breve 
untersagt sei, können sie sich nicht entschlossen, ein so wesentliches 
Recht der Kirche eigenmächtig zu vergehen, und sie müssen eher 
das Schlimmste geduldig und in christlicher Ergebenheit über sich 
kommen lassen. Wegen Stellung der Geistlichen, oder der dem 
geistlichen Stande sich widmenden Subjeete zu den jährlichen 
Concurs-Prüfungen würden sie, mit Vorbehalt der bischöflichen Prü 
fung vor der Ausweihung» naehgegeben haben. Zur unbedingten 
Ausschreibung des königlichen Befehles an den Klerus, dass er die 
von der Landesstelle erhaltenen Aufträge inKirchen- 
Polizei-Gegenständen zu befolgen hätte, auch wenn 
sie ihm noch nicht von dem Ordinariate bekannt ge 
macht worden wären, konnte ich sie nicht bewegen, obwohl 
ich ihnen einen Aufsatz hiezu entwarf, der so schonend als möglich 
die stillschweigende Widerrufung des von ihnen früher eingeschal 
teten anstössigen Reservates enthielt. Sie besorgten, schwache 
Geistliche möchten sich daran stossen, und glauben, die Bischöfe 
hätten auch Anordnungen über dogmatische Gegenstände oder 
wesentliche Rechte der Kirche der weltlichen Gewalt überlassen. 
Was endlich die noch verlangte Zusicherung betrifft, ohne aller 
höchste Erlaubnis oder Vorwissen der Landesstelle keinen Recurs 
nach Rom zu ergreifen, verstand sich der Bischof von Trient hierzu, 
jedoch mit Ausnahme jener Fälle, wo er zur Sicherstellung seines 
Gewissens in höchst wichtigen Angelegenheiten der Kirche der 
Weisung und des Entschlusses des sichtbaren Oberhauptes der 
katholischen Kirche zu bedürfen glaube. — Übrigens konnte ich von 
diesen beiden Bischöfen nicht einmal die Zustimmung erhalten, dass 
sie geneigt wären, um doch das Jus collationis und nominundi 
zu behalten, statt ihres Orts eine Tema vorzuschlagen, auf eine
	        

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