Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur Vorgeschichte des Jahres i 809 in Tirol. 
25S 
Seite seines eigenen Klerus heftigen Tadel zu, als hätte er nicht so 
viel Muth gehabt, wie seine Collegen, für die Sache der Kirche zu 
leiden, und als hätte er das später ihm zu Theil gewordene gelindere 
Schicksal einer feigen Nachgiebigkeit zu verdanken. Allein mir liegt 
ein Brief des Fürsten vor, worin er betheuert, jeden Augenblick 
bereit zu sein mit seinen Amtsbrüdern tapfer zu handeln und zu lei 
den, und worin er auf die Frage, warum er nicht nach Innsbruck 
gekommen, antwortet, er sei zwar von den beiden dort anwesenden 
Bischöfen dazu eingeladen worden, aber theils wegen Kränklichkeit, 
theils aus dem Grunde nicht erschienen, weil er es für rathsamer 
hielt, in seiner Residenz zu bleiben, so lange ihn die Regierung 
nicht abfordere. 
Der Fürstbischof von Chur hingegen brach ohne Verzug nach 
Innsbruck auf. Er hatte sogar auf eine Reise nach Graubünden, die 
früher beantragt war, verzichtet, sobald er seinen Amtsbruder von 
Trient in Innsbruck in Gefahr sah. Vor seiner Abreise rief er noch 
einmal den Klerus zusammen, und ertheilte ihm mündliche und 
schriftliche Verhaltungsbefehle, falls er länger zu Innsbruck aufge 
halten werden, oder gar nicht mehr zurückkommen sollte. Die frü 
heren Meraner Conferenz-Beschlüsse wurden als Norm aufgestellt, 
und der gesammte Klerus an den Provicar von Meran, Nicolaus 
Patscheider, angewiesen, dem er, sowie dem Provicar Schuster 
von Schluderns, die Gewalt eines General-Vicars übertrug. Am 16. 
oder 17. October traf er in Innsbruck ein. Cher die Verhandlungen 
erlaube ich mir wieder den Bericht des General-Landes-Commis- 
sariats an das Ministerium des Innern mitzutheilen. „Ich habe mit 
den Bischöfen, so schrieb Graf Arco, in wiederholten mehrstündigen 
Unterhandlungen alle Mittel der gütlichen Überredung erschöpft, 
ihnen zu vielmahlen alle Gründe wiederholt, aus denen sie, ohne 
Nachtheil ihres Gewissens, den allerhöchsten Gesinnungen Folge 
leisten könnten. Von dem Gewichte mancher dieser Gründe waren 
sie selbst überzeugt; allein ihre vorgebliche oder wahre Gewissens 
ängstlichkeit erlaubte ihnen nicht, der Stimme der Vernunft Gehör 
zu geben. Am Ende bestanden sie immer darauf, es stehe nicht in 
ihrer Gewalt, wesentliche Rechte der Kirche, die sie aufrecht zu 
erhalten beschworen, durch ihr Zuthun, oder ihre Nach 
giebigkeit schmälern zu lassen; dahin gehöre das Jus liberae 
collationis, in Fällen, wo es nicht durch päpstliche Bewilligung, Her-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.