Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof. Jäger. 
eines Terna-Vorschlages bei Besetzung der Beneficien, den entweder 
die Regierung dem Bischof, oder der Bischof der Regierung zu 
machen hätte; und 4) keinen Kleriker zu weihen, ausser solche, die 
an einer königl. Universität die Studien absolvirt hätten. 
Über den Erfolg der Verhandlungen kann ich nichts besseres 
mittheilen, als den Bericht des General-Landes-Commissariats an 
das Ministerium des Innern. „Der Bischof von Trient,” heisst es in 
demselben, „ist wirklich hieher gekommen. Ich habe es an keinen 
Vorstellungen fehlen lassen, um ihn zur Nachgiebigkeit gegen die 
allerhöchsten Befehle zu bringen. Er sah ein, und wiederholte selbst 
mehrmals, dass Sr. königl. Majestät Absichten weise und den Rechten 
der Kirche nicht nachtheilig seien, gleichwohl blieb er unabänderlich 
bei seinem Erklären, dass er dem Eide, durch welchen er 
sich zur Aufrechthaltung der Vorrechte der Kirche 
verpflichtet, getreu bleiben wolle; wenigstens könne er 
durch sein Zuthun und seine Unterschrift zur Schmälerung der 
selben nicht beitragen, und werde sich lieber allen schlimmen Fol 
gen, die für seine Person aus seiner Weigerung entspringen mögen, 
unterwerfen, als sein Gewissen beschweren. Wirklich habe ich 
mich auch vollkommen überzeugt, dass Gewissensangst ihn von der 
Erklärung abhalte, den allerhöchsten Anordnungen Folge leisten zu 
wollen. Nun erlaube ich mir die untertänigste Frage, ob ich den 
widerspenstigen Bischof nach Salzburg verweisen, oder dahier 
lassen soll? und zweitens, ob ich nicht auch von den Bischöfen von 
Chur und Brixen die Unterwerfung unter die königlichen Befehle um 
so mehr fordern soll, als die aufgenommenen Protokolle über ihre 
Theilnahme an dem ahndungswürdigen Betragen des Bischofs von 
Trient sehr deutliche Aufschlüsse geben, und insbesondere beweisen, 
dass der Bischof von Chur der erste Veranlasser des Recurses nach 
Rom war.” 
Noch ehe von München eine Weisung kam, war der Bischof 
von Chur schon vermocht worden, ebenfalls in Innsbruck zu er 
scheinen. Der Bischof von Trient musste auf Verlangen des General- 
Landes-Commissärs, Grafen Arco, seine beiden Collegen, die 
Bischöfe von Chur und Brixen, zur persönlichen Unterredung nach 
Innsbruck einladen. Der Bischof von Brixen, sei es, dass er wirklich 
krank war, oder vor den Gefahren erschrack, entschuldigte sich mit 
Unpässlichkeit und erschien nicht. Dieses Ausbleiben zog ihm von
	        

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