Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof. Jäger. 
Terrorismus und Verachtung aller Rechte eingegeben sein konnte. 
Ich kann den Geist dieser Grundsätze nicht treffender bezeichnen, 
als wenn ich mir erlaube, eine einschlägige Stelle aus dem Berichte 
des Herrn von Mi eg an das Ministerium des Innern mitzutheilen. Der 
Bericht bezieht sich auf eine Note des päpstlichen Hofes an den baie- 
rischen Gesandten in Rom, und lautet also: 
„Die Note, welche der Cardinal-Staatssecretär dem köngl. Ge 
sandten in Rom wegen der geistlichen Angelegenheiten in Tirol 
übergab, und welche mir durch allerhöchstes Rescript vom 26. Februar 
mitgetheilt wurde, liefert einen neuen Beweis, dass.dasPapstth.um, 
sowie es dermalen besteht, im bleibenden Kampfe mit der 
weltlichen Herrschergewalt, und mit dem Geiste des Jahrhunderts 
seinem Untergänge entgegengeht. Dem dermaligen römi 
schen Hofe hängt der krasseste Mönchsgeist an, ohne dass er die 
gewöhnliche Mönchspolitik besässe. Aller Waffen beraubt, die ihm 
im Mittelalter theils durch äussere Verhältnisse, tlieils durch die 
eigenen eminenten Talente und die wissenschaftliche Bildung seiner 
Schriftsteller und Geschäftsmänner zu Gebote standen, will er heute, 
wo eine Trennung zweier Gewalten, die über Staats 
bürger herrschen sollen, gar nicht mehr denkbar ist, 
sondern alles auf die vollkommenste Concentrirung 
der Herr sc hermacht hindeutet, von seinen alten weder auf 
das Wesen noch die Gesetze der Kirche gegründeten Anmassungen 
nicht nur nicht abgehen, sondern gar noch eine ähnliche Oberherr 
schaft, wie damals, ausüben.” 
In dieser Stelle des Herrn von Mieg sind die Grundsätze der 
baierischen Regierung in Bezug auf die Kirche klar ausgesprochen. 
Sie betrachtete die katholische Hierarchie als ein in Trümmer fallen 
des Gebäude, auf dessen Schutt die weltliche Herrschaft ihren 
absoluten Thron aufschlagen, und die bisher getrennten zwei Ge 
walten, die kirchliche und staatliche, in der Hand des weltlichen 
Landesfürsten vereinigen sollte. Daraus ergab sieb natürlich von 
selbst, dass jede Weigerung oder Reclamation der Kirche und des 
Klerus als eine Störung dieses neuen Staatsgebäudes auch mit Gewalt 
unterdrückt werden musste. Dass solche Principien in Tirol-früher 
oder später, ja wohl bald, zu einem heftigen Kampfe führen mussten, 
war leicht vorauszusehen, und ging bald in Erfüllung. Ich beginne 
daher die Darstellung dieses merkwürdigen Kampfes.
	        
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