Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur Vorgeschichte des Jahres 1S09 in Tirol. 
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„werde euch einst auch um mich leid sein, wenn ihr mich durch den 
„Tod verlieret.” 
Unter den Auspicien dieser kais. und kön. Trostworte ging Tirol 
am 11. Februar 180 6 als grossmiithiges Geschenk N a p o 1 e o n’s an das 
neuerrichtete Königreich Baiern über. Allein ungeachtet dieser münd 
lichen Versicherungen, und ungeachtet des 8. Artikels des Press 
burger Friedens, der festsetzte, dass der König von Baiern Tirol 
„auf dieselbe Weise und unter denselben Titeln, Beeil 
ten und Prärogativen besitzen sollte, wie es Kaiser 
Franz oder die Prinzen von Österreich besessen 
hatten, und nicht anders,” lag doch weder in den Zusiche 
rungen der beiden Monarchen, noch in dem Friedensartikel eine 
beruhigende Bürgschaft für den Fortbestand der alten Zustände 
Tirols. Denn aueli die vorder-österreichisclien-Lande waren unter 
denselben Bedingungen und ganz mit denselben Aus 
drücken an Baden und Würtemberg abgetreten worden; und doch 
hatte der König von Würtemberg und der Grossherzog von Baden 
die früheren Einrichtungen dieser Länder als nicht mehr geeignet 
für die neuen Verhältnisse sogleich abgeändert. Tirol unterwarf sich 
daher in banger Erwartung der Dinge die da kommen würden der 
neuen Begierung. 
Allein Baiern, in dessen Plane es allerdings lag, die verschie 
denartigen Verwaltungsformen der neuerworbenen Provinzen durch 
Ausscheidung der unbequemen und Assimilirung der brauchbaren auf 
eine leichter zu beherrschende Einheit zurückzuführen, wollte nicht 
gleich im Anfänge die Sache auf die Spitze treiben, und begann seine 
Umgestaltungen nicht mit zerstörenden, sondern mit w o h 11 h ä- 
tigen Deformen. 
Es übernahm das Land aus den Händen eines Guberniums, 
welches mit Ausnahme des an der Spitze stehenden Chefs und eini 
ger wenigen tüchtigen Käthe, aus Individuen zusammengesetzt war, 
deren körperliche Gebrechen der ganzen Verwaltung das Gepräge 
des hinsiechenden Alters, der Schwäche und Langsamkeit aufgedrückt 
hatten. Daher auch der Volkswitz das Mitleid erregende Collegium 
mit dem Spottnamen „das Spital” belegte. 
Die Baiern hingegen stellten an die Spitze der Landesregierung 
ein mit ziemlich grosser Selbstständigkeit ausgerüstetes General- 
Commissariat, unter der obersten Leitung des Grafen v. Arco
	        

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