Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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J. G. Seidl. 
Diese Masse zu bewältigen thut Notli, wenn die Geschichte 
unseres gemeinsamen Vaterlandes von vorneherein ergänzt werden, 
wenn die Specialhistorien der einzelnen Kronländer nicht nebelhaft 
in einander rinnen, sondern klar aus einander gehalten sein, wenn 
sie nicht in einen wirren Klumpen zusammengeknäuelt bleiben, son 
dern in deutliche Gruppen sich abheben, wenn sie nicht bloss auf 
eine hypothetische Übertragung des Allgemeinen aufs Besondere sich 
beschränken, sondern ein anschauliches Bild der historischen Krystal- 
lisirung, möchte ich sagen, gewähren sollen. Die Lücke, die es 
hier auszufüllen gibt, lässt nicht von aussen sich verkleistern, sie 
muss von innen aus organisch sich verwachsen. 
Damit dies wenigstens in Betreff derjenigen Periode möglich 
werde, die hier in Betracht kommt, muss der Stoff, der dazu nöthig 
und auch zum grossen Theile schon vorhanden ist, zur Bearbeitung- 
gehörig vorbereitet werden, — ich sage ausdrücklich vorbereitet, 
— wohlwissend, dass, bei der nicht seltenen Überschätzung mancher 
ganz unbedeutender Funde und hei dem oft ans Kleinliche grenzenden 
Bestreben, ganz unerheblichen Dingen den Schein der Wichtigkeit 
anzukünsteln, eine nachträgliche, genauere Sonderung des Wesentli 
chen vom Unwesentlichen, der nichtssagenden Nullen von wirklich zäh 
lenden Ziffern, des brauchbaren Stoffes von dem unbrauchbaren nicht 
minder nöthig sein wird. Der gesammte Stoff aber lässt sich, meines 
Bedünkens, in drei Kategorien abtheilen. 
In die erste Kategorie gehören die umfang- und inhaltreichen 
Sammlungen epigraphischer Denkmäler, grossentheils das Erbe des 
Biesenfleisses unserer Väter, von A p i a n, L a z , G r u t e r, M u- 
ratori, Donati, Doni u. A. bis herab auf Schönwisner, Ka- 
tancsich, Orelli, Zell, Steiner u. s. f., die Beschreibungen 
einzelner Museen, die Kataloge berühmter Münzcabinete, die Ver 
zeichnisse der in öffentlichen Anstalten und bei Privaten vorfindigen 
plastischen Monumente, Anticaglien und anderer Alterthumsgegen 
stände. Da jedoch alle diese Sammlungen, mit wenigen Ausnahmen, 
von einem weiteren Gesichtspunct aus augelegt sind und nicht sowohl 
die Provenienz der beschriebenen Gegenstände, als vielmehr das 
allgemeine archäologische und historische Interesse derselben ins 
Auge fassen, so ist eine Aussonderung dessen, was aus dem grossen 
Schatze auf die einzelnen Kronländer der österreichischen Monarchie 
entfällt, eine der nächsten Aufgaben, die gelöst werden müssen, —
	        

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