Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof. Schleicher. 
men für die hierher gehörigen, oben aufgezählten Formen des Sla 
wischen. 
Es werden nämlich, wie bekannt, im Indogermanischen einzelne 
Casussnffixe nicht selten mittelst pronominaler Elemente an den 
Stamm gefügt, wie z. B. in der pronominalen Declination mittelst 
srna, welches durch seine Anwendung im Slawischen gerade im Da 
tiv Sing, genau dem ob im Dativ Sing, der Substantiv-Declination 
entspricht *); im Deutschen hat sich das pronominale (demonstra 
tive) Element n, ursprünglich nur gewissen Wortstämmen eigen, zu 
einem Flexionselement entwickelt, das die schwache Declination 
charakterisirt a ). Im Deutschen gilt n für Substantiva und Adjectiva 
in gleicher Weise, im Slawischen theilen sich zwei Pronominalstämme 
in dieselbe Function: bei den Substantiven, wo sich übrigens der 
Gebrauch des Zwischenlautes auf die Masculina beschränkt, was wir 
auf seine Bedeutung zurückzuführen haben, erscheint ß, bei den Ad- 
jectiven das volle Pronomen h. In jenem ß erkennen wir das Haupt 
element des im Slawischen auch als selbstständiges Wort vorkom 
menden Pronomen obt*, Oßd, obo; serbisch-illyrisch ovaj, ova, 
ovo, altböhm. ov, ova, ovo; poln. öw, owa, owo. Dies Prono 
men findet sich auch in anderen indogermanischen Sprachen wieder: 
Zend. -“»* (ava), Altspers. yyy (ava), Neupers.^, im Sansk. 
57, Griech. aörög und in anderen Sprachen zeigen sich Spuren des 
selben , nur im Iranischen und Slawischen findet es sich als selbst 
ständig gebrauchtes Pronomen. Dies Pronomen spielt im Slawischen 
wie in anderen Sprachen andere Pronominalelemente, in den Wort- 
bildungs- und Ableitungs-Sylben überhaupt eine hervorragende Rolle, 
wozu es die demonstrative Bedeutung befähigt; mit ihm werden Ad 
jectiva gebildet, Verba abgeleitet, kurz es gehört zu den frequen 
testen Wortbildungselementen. In der Declination gerade dies Pro 
nomen auftreten zu sehen, kann demnach nicht Wunder nehmen. 
Dass nach ob im Dativ Sing, h als Casusendung gebracht wird, 
scheint mir durch die Analogie der übrigen im Vergleiche zum No- 
*) Anwendung von Wortbildungselementen in einzelnen Casus ist mir aus neu 
indischen Sprachen erinnerlich aber nicht deutlich genug, um die Beispiele hier 
her setzen zu können. Die nöthigen Bücher aber sind mir nicht zur Hand. 
®) In der Auffassung der schwachen Declination im Deutschen folge ich Grimm, 
der namentlich in seiner Geschichte der deutschen Sprache diese Sprach- 
erscheinung mit der ihm eigenen Meisterschaft dargestellt und erklärt hat.
	        

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