Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Bericht über eine kunst-archäologische Bereisung Böhmens. 
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Stelle der ursprünglichen schmalen Rundbogenfenster, höchstwahr 
scheinlich zu derselben Zeit da der Thurm gebaut wurde, angebracht. 
Aermliche Ueberreste der Glasmalerei befinden sich im Fenster zur 
rechten Seite des Hochaltars. 
Die Kirche ist nach Minitz eingepfarrt; sie ist sehr fest und bei 
nahe unverwüstlich. Jeden dritten Sonntag wird hier Gottesdienst 
gehalten. Sie besitzt .ein sehr bedeutendes Vermögen. Patron der 
selben ist Se. Durchlaucht Ferdinand Fürst zu L o bko witz. 
Bedeutende Ueberreste der ursprünglichen byzantinischen Anlage 
enthält die im XVIII. Jahrhundert erneuerte Pfarrkirche im Dorfe 
Libcan bei Königgrätz. Ausser zwei schönen byzantinischen Säu 
len. welche die in einen Musikchor umgewandelte Empore stützen, 
befinden sich da zAvei Portale, von denen das eine zwar schmucklos 
aber bedeutend durch seine correcten Formen, einer Vorhalle gleich 
nach aussen sich ausweitet, dass andere aber durch die schöne Glie 
derung und sorgfältige Ausführung seiner Bestandtheile interessant 
erscheint. 
Bei meiner diesjährigen Bereisung hatte ich keine der bekannten 
theils von andern, theils von mir bereits beschriebenen Kirchen des 
Rundbogenstyles in Böhmen berührt, und war vor allem bemüht bisher 
unbeachtete Baudenkmale dieser Art aufzusuchen und zu erforschen. 
Ueber die Kirche zu Podvorov, Rudig, Vinec und Holubic hatte ich 
wohl bestimmte Andeutungen; die Kirchen zu Liebshausen, Schel- 
kowitz, Mohelnic und Libcan wurden aber erst bei dieser Bereisung 
von mir als Denkmal des Rundbogenstyles erkannt und gewürdigt. 
Solcher, bisher unbeachteter Baudenkmale mag Böhmen noch eine 
sehr bedeutende Anzahl besitzen; die Ausforschung derselben bietet 
aber ungewöhnliche Schwierigkeiten dar. Denn häufig wurde mir 
irgend eine Kirche als ein Bauwerk des Rundbogenstyles charakterisirt; 
hatte ich aber an den entlegenen Ort die zumal in der diesjährigen 
regnerischen Witterung beschwerliche und kostspielige Reise unter 
nommen, so fand ich, dass es ein gothisches Gebäude mit niedrigem 
Presbyterium oder eine im Renaissancestyle gebaute baufällige Kirche 
war. Belehrungen, die über solche Gegenstände in Zeitschriften und 
Broschüren verbreitet werden, dringen selten in solche abgelegene 
Gegenden, wo ihre Beachtung eben wünschenswert!! wäre.
	        

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