Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

Zur Charakteristik des heil. Justinus etc. 
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göttliche Wesen zu sagen. Daher ging er von selbigem weg und 
begab sich zu einem Peripatetiker; doch schon nach einigen Tagen 
missheiligte ihn dieser in Betreff des Honorars. Wegen dieses un 
würdigen Benehmens verliess ihn Justinus und wandte sich an einen 
Pythagoräer; allein dieser setzte Kenntniss der Musik, Astronomie 
und Geometrie voraus, weil durch dieselben der Geist vom Sinnlichen 
abgezogen und zum Schauen des Übersinnlichen befähigt werde. 
Justinus bekannte seine Nichtkenntniss jener propädeutischen Wissen 
schaften, und darum wurde er sofort zurückgewiesen. In seiner 
Verlegenheit ging er zuletzt zu einem Platoniker *). Bei ihm ver 
schaffte er sich eine Fülle philosophischen Wissens. „Die Er- 
kenntniss der übersinnlichen Dinge und das Schauen der Ideen 
beflügelte meinen Geist; in kurzer Zeit meinte ich ein Weiser 
geworden zu sein, und in meiner Thorheit hoffte ich alsbald Gott zu 
schauen, denn dies ist das Hauptziel der platonischen Philosophie.” 
Weiter nun erzählt er wie er aus einem begeisterten Platoniker 
ein glaubensvoller Christ geworden. Einstmals wunderte er, um der 
Contemplation sich ungestört hinzugeben :i ), in eine stille, nicht fern 
vom Meere gelegene Gegend. Daselbst fand er einen ehrwürdigen 
Greis', der hierher gekommen war um abwesender Verwandter 
willen, die er einholen wollte. Justinus pries in dem Gespräche, 
welches sich an den Zweck seiner Anwesenheit knüpfte, lebhaft die 
Philosophie; ohne sie trage überhaupt das Leben etwas Ungöttliches 
an sich, daher müsse jedweder Mensch sie betreiben. Ihr Object 
sei das Absolute (rö öv) und ihr Preis die Glückseligkeit. Nun er 
greift jener Alte das Wort. Er weist nach, dass die Philosophie, 
insbesondere auch die platonische, dieses nicht vermöge, insofern 
weder durch empirisches noch durch discursives Verfahren eine 
Wissenschaft vom Göttlichen angestrebt werden könne. Eine solche 
sei nur möglich durch unmittelbares Schauen des Göttlichen, ein 
Schauen, von welchem die platonische Philosophie nicht ausgehe. 
Justinus fragt, wer ihm denn Aufschluss über das Göttliche gewähren 
könne. Der Greis verweist ihn auf die Propheten, welchen ein 
unmittelbares Schauen zu Theil geworden. Diese , älter als die 
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