Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 8. Band, (Jahrgang 1852)

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Joseph Ohmei. 
von der sonst überaus strengen Diseiplin, welche die gänzliche Ent 
haltung vom Fleischessen forderte, durch drei Tage in der Woche 
befreit sein sollen (am 23. April 1452, siehe Regesten II, Nr. 2835). 
Dem neuen Collegiatstifte zu Neustadt (nun bereits an der Frauen 
kirche daselbst) wird gestattet, dass der Propst und das Capitel das 1 
„Officium, matutinale” (einTheil des Chorgebetes), welches bisher 
um Mitternacht gehalten werden musste, zur Tageszeit beten dürfen 
(am 28. April 1452, siehe Regesten II, Nr. 2847). Den beiden 
neuen Stiftungen, eben dieser Collegiatkirche so wie dem Cister- 
cienserkloster zu Neustadt gibt der Papst auf Kaiser Friedrich’s Inter- 
cession eine ganz ungewöhnliche Auszeichnung, dass nämlich 
nicht bloss der Propst und der Abt Infel und Ring tragen dürfen, son 
dern auch der Dechant und der Prior (siehe Regesten II, Nr. 2850). 
Doch soll dies nur innerhalb der Propstei und Abtei ge 
stattet sein. 
Da sieh bald nach Errichtung beider Stiftungen ein Rangstreit 
zwischen den geistlichen Vorstehern und den Gliedern beider Insti 
tute erhoben batte, welcher am 25. Februar 1451 durch den päpst- ' ^ 
liehen Legaten, den Cardinal Cusanus (Cardinal S. Petri ad vincula), 
war dahin entschieden worden, dass bei öffentlichen Processionen 
der Abt und der Propst zusammen (collateraliter), und die Canonici 
den Mönchen Vorgehen sollten, und da wo wegen Enge des Raumes 
nicht beide Vorsteher neben einander schreiten könnten, der 
Abt den Vortritt haben sollte, die Mönche aber nach Kaiser Fried 
rich’s Bericht mit dieser Entscheidung nicht zufrieden waren, übrigens 
aber die Sache unentschieden wäre (,,«e hesitetur si super ea 
(ordinatione) legiMma quae executioni debitcie demandari pos 
sint appareant documentader Legat hatte in dieser häckeligen 
Sache wahrscheinlich nur mündlich entschieden), so verordnete der 
Papst in einer eigenen an die Bischöfe von Gurk und Seckau und den 
Salzburger Official gerichteten Bulle vom 28. April 1452, dass diese 
Entscheidung seines Legaten wirklich in Ausführung komme (siehe 
Regesten II, Nr. 2848, abgedr. in den Materialien II, S. 12, Nr. XI). # 
Ungleich wichtiger war die päpstliche Gnade, welche Kaiser 
Friedrich für jene Unterthanen seiner Pfandschaften in Ungern er 
wirkte, die von Zeit zu Zeit wegen Ungehorsam in zeitlichen Dingen 
(wahrscheinlich Versagen gewisser Leistungen und Dienste) von 
ungrischen Bischöfen in Bann gethan wurden. Sie wurden davon
	        

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