Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Die Idee des deutschen Erbreichs und die ersten Habsburger. 
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Nachtheil würde es ausschlagen, wenn es schiene, dass einzig 
aus dem Hause der Herzoge von Schwaben Jemand zum Reich 
berufen werden könnte, 1 oder: Er trete ein für die Freiheit 
der Fürsten, wenn er dem seine Gunst völlig verweigere, der 
das Reich durch Erbrecht zu behaupten versuche. 2 
Allerdings hat man dann - noch einmal wieder auf das 
legitime Königshaus zurückgegriffen, und den letzten Sprossen 
des staufischen Geschlechts auf den Thron berufen. Aber der 
Kampf auf Leben und Tod, der zwischen Friedrich II. und 
der Curie ausbrach, warf die Entwickelung wieder zurück in 
die kaum verlassenen Bahnen. Das Interesse der Curie fiel 
wieder zusammen mit den Wünschen des fürstlichen Particu- 
larismus in Deutschland, als bestes Mittel, das verhasste stau 
fische Haus zu beseitigen, bot sich die Betonung des Princips 
der freien Königswahl dar, Rom und die Fürsten reichten sich 
die Hand zur Aufstellung von Gegenkönigen gegen die Staufer. 
So unrichtig es ist, die Päpste direct als die Schöpfer des 
Kurfürstencollegiums zu bezeichnen, unrichtig in jeder der 
verschiedenen vorlängst und neuestens versuchten Formuli- 
rungen dieser Behauptung, so gewiss haben sie mittelbar dem 
Emporkommen desselben und damit dem Princip der absolut 
freien Wahl mächtigen Vorschub geleistet. 
Eins darf man aber nicht übersehen. Die in Deutschland 
entgegen dem alten Herkommen durchgedrungene freie Königs 
wahl war noch keineswegs allgemein im Reich als unumstöss- 
liches Recht anerkannt. Auch nach dem Siege des Wald- 
princips hält man von anderer Seite noch immer fest am Erb 
recht des Könighauses, das zeigen die wiederholten Versuche 
zur Erhebung Conradins, des letzten Staufers, während der 
Regierung der beiden Ausländer; besonders im Südwesten des 
Reichs wurde er als der zur Herrschaft Berufene angesehen. 3 
Rudolf von Habsburg ist ohne Illusionen auf den Thron 
gekommen. Er kannte die Verhältnisse, er wusste namentlich 
aus den Verhandlungen über seine eigene Wahl, wessen er 
sich im Besonderen von dem Kurfürstencollegium zu versehen 
1 Innocentii III. Keg. 62. Vgl. 21, 29, 33. 
2 Innocentii III. Kegistrum 55. 
3 Vgl. Kegesten Conradins zum 23. Mai, 1. August und 27. September 1262.
	        

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