Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Zur Kaiserwahl 1619. 
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Denselben Abend (das ist 12. August), als von Seite des 
Kurfürsten von Sachsen diese endgiltige Entscheidung getroffen 
wurde, kam der pfälzische Gesandte, Christoph von Dohna, in 
Dresden an, natürlich schon zu spät, um den Kurfürsten um 
zustimmen. Er hatte sich gleich noch am Abend seiner Ankunft 
beim Kurfürsten anmelden und um schleunige Audienz bitten 
lassen, aber erst am nächsten Tage wurde er vom Kurfürsten 
allein, ohne Beisein der Räthe empfangen, dem er auch münd 
lich seine Botschaft vortrug. Es sei der Wunsch des Kur 
fürsten von der Pfalz, die Meinung Kursachsens bezüglich der 
Persönlichkeit des zu wählenden Reichsoberhauptes zu erfahren, 
Kurpfalz selbst halte folgende Persönlichkeiten dazu für würdig: 
,Von den evangelischen Fürsten den König von Dännemark 
und den Kurfürsten von Sachsen, von den katholischen aber 
König Ferdinand, Erzherzog Albrecht, Herzog Maximilian von 
Baiern und den Herzog von Savoyen, würde sich aber doch 
endlich auf Baiern resolviren. Gegen Ferdinand seien viel 
fache Gründe: er sei jederzeit persecutor religionis gewesen, 
derzeit ganz ohne Land und Leute,* die Böhmen und Schlesier 
hätten ihm (dem Pfalzgrafen) zugeschrieben, dass sie Ferdi 
nand keineswegs zum Könige haben wollten; es wäre auch 
Bethlen Gabor mit 40.000 Mann im Anzuge und wenn also 
Ferdinands Wahl erfolgen sollte, so wäre es für das Reich 
höchst nachtheilig, da es sodann sein Haupt nicht ohne Hilfe 
lassen und ihm gegen so viele Feinde beistehen müsste'. 
Die Antwort, die der Kurfürst von Sachsen dem pfälzischen 
Gesandten Nachmittags darauf ertheilte, war voll Vorwürfe und 
spitziger Anspielungen auf das Verhalten des Kurfürsten von 
der Pfalz in dieser Angelegenheit: Er bemerke, dass der Herr 
Kurfürst Pfalzgraf am liebsten sehe, wann die jetzige Wahl 
verhindert werden könnte, — dies sei nicht möglich; — Kur 
sachsen hätte seine Gesandten zu Frankfurt angewiesen, mit 
den pfälzischen und brandenburgischen Gesandten daselbst ver 
trauliche und gute Correspondenz zu pflegen, diese hätten sich 
aber gegen die sächsischen nichts weniger als vertraulich er 
zeigt; auch seien anfänglich die sächsischen Gesandten — dem 
Wunsche des Pfalzgrafen gemäss — nur zur Vornahme der 
Compositions-Handlung instruirt gewesen, hätten auch nur in 
diesem Sinne Vollmacht erhalten, die pfälzischen und branden-
	        

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