Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Tadra, 
Verhältniss musste sich nach dem Tode des Kaisers Mathias 
bei der Neuwahl klären, Sachsen musste endlich Farbe be 
kennen. Dies geschah aber doch nicht so schnell, längere Zeit 
wollte man noch hin und her laviren und eben dieses Schwanken 
des Kurfürsten unmittelbar vor der Kaiserwahl soll eingehender 
hier beleuchtet werden. 
Der Kurfürst von Mainz, als Erzkanzler des deutschen 
Reichs, liess sich durch das Verlangen des Heidelberger Cabi- 
nets, den Wahltag bis zur Beseitigung der böhmischen Wirren 
aufzuschieben, nicht irre machen und berief die Kurfürsten auf 
den 20. Juli 1619 nach Frankfurt am Main zur Kaiserwahl. 
Es lag sowohl dem Kurfürsten von Mainz als auch König 
Ferdinand viel daran, den Kurfürsten Johann Georg von 
Sachsen zum persönlichen Erscheinen bei dem Wahltage zu 
bewegen, da er auf diese Weise allen anderen Einflüssen ent 
rückt, viel leichter völlig zu Gunsten Ferdinands umgestimmt 
werden könnte. Sowohl von Kurmainz als vom Könige Ferdi 
nand und dann auch noch von den drei geistlichen Kurfürsten 
insgesammt kamen nach Dresden Ersuchschreiben, der Kurfürst 
möge sich persönlich in Frankfurt einfinden. 1 Denn da man 
von Kurpfalz eines energischen Widerstandes gegen die Wahl 
Ferdinands gewärtig, Kurbrandenburg auch mehr gegen Fer 
dinand gestimmt war, so glaubte man einen von den prote 
stantischen Kurfürsten gewinnen zu müssen, damit der Zwie 
spalt zwischen beiden Religionsparteien im deutschen Reiche 
wenigstens bei der Kaiserwahl in den Hintergrund trete. Das 
Bestreben aber, Johann Georg zum persönlichen Erscheinen bei 
der Wahl zu bewegen, blieb fruchtlos. Ueber Beschluss des 
sächsischen Geheimraths wurde als Grund des Nichterscheinens 
angegeben: ,dass die böhmische Unruhe in einen so gefähr 
lichen Zustand gerathen, dass seit dem Ausschreiben des Wahl 
tags die gegenseitigen Kriegsverfassungen je länger je mehr, 
zugenommen, die sächsischen Lande damit dermassen umgeben, 
dass dem Kurfürsten nicht zu rathen, davon zu verreisen, dies 
alles sei notorium und weltkündig, so dass es der goldenen 
Bulle gemäss als ein legitimum, urgens et in oculos omnium 
1 Gutachten der kursächs. Räthe dd. 4./14. Juni 1619.
	        

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