Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Demostlienische Studien. II. 
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den Rath vor das Volk zu bringen. 1 Anträge dieser Art sind 
aber um nichts mehr als jene, welche von einem als öffent 
lichen Ankläger autorisirten Bürger im Einverständniss mit 
dem Rath gestellt werden, mit den auf administrative und 
politische Angelegenheiten bezüglichen auf eine Linie zu setzen. 
Es sind legislatorische Anträge und ihre Behandlung hat mit 
Gesetzesanträgen, welche gleichfalls jeder epitime Athener stellen 
1 RgTimokrates § 46 S. 715, 7 aXXo? ouxo? vo[j.o$ oux. scov rcepi xwv ax{p.(ov ouoe 
xwv ofpsiXo'vxcov Xs'ysiv ouB'e ^p7)p.axl££iv nspi afps'asto? xcov ocpX7)p.axu>v ouB'e xa^eto;, 
eav [J.rj x% aBsia? ooOe^ar]? /.at xaux7]? p.7j l'Xaxxov 5) E^ax.'.ayiXuov ij>7)<pi<jap.£'vtov 
(§ 48) x.aixoi yprj as, a> Tip.dx.paxs?, siSoxa xov voij.ov xovBs ov avsyvcov, s’t xi 
o(x.aiov ißouXou Tüpaxxsiv, Ttpaixov p.'sv 7rpoaoSov ypa<la<jOat txpog xvjv 
ßo u Xrj v, süxa xw ovjp.tp oiaXsyOfjva', x.at xo'O’ ouxto? st :: a a t v ’A 0 7] v a (o t ? soo/.st, 
ypacpstv x.at vop.oOsxsw xxepi xouxwv, x.at xoxs xou? ypovou? avapstvavxa xou? sx. 
xwv vojj-ojv, tva xouxov xov zpojzov ::paxxa)V, st x.ai xt? STrsy_s(pst ostx.vustv oux. 
ETiixrjBstov ovxa x?j 7xbXsi xov vop.ov, [J.7) ouv STitßouXsuetv y’ sBo'x.st?, aXXa yvw[xrj 
otap.apxwv a7uoxu/stv. Westermann (,Untersuchungen über die in die attischen 
Redner eingelegten Urkunden 1 in den Abhandl. d. k. sächs. Ges. d. Wissensch. 
II, 30) sieht in den Worten x.at voixoOsxstv rcepi xouxtov x.xX. eine Bestimmung 
des angezogenen Gesetzes, das also nach seiner Meinung weiter verordnete, 
dass nach ertheilter Genehmigung (x% aSsta? ooOstar]?) der Antragsteller 
in der gesetzlichen Weise und unter Einhaltung der für Gesetzesvorschläge 
vorgeschriebenen Termine seinen Antrag einbringen sollte, indem ihm entging, 
dass Demosthenes nur bis zu den Worten x.at xo'O’ ouxtoc, ei raatv ’AÖrjvalot? 
iodx.ci ypacpEtv die Punkte bezeichnet, in welchen Timokrates das Gesetz 
über Staatsschuldner nicht beachtet, daran aber in sehr geschickter und 
täuschender Weise sofort anreiht, worin Timokrates das Gesetz über die 
Behandlung legislatorischer Anträge verletzt. War einmal von dem Volke 
die Genehmigung zu einem Anträge zu Gunsten eines Staatsschuldners 
ertheilt, dann sollte ein solcher Antrag nicht als Gesetzesvorschlag be 
handelt werden, sondern er durfte nur, wie jedes andere <!mj<piap.a, mit 
Genehmigung des Käthes vor das Volk gebracht werden, wie dies klar 
aus den Worten des § 47 hervorgeht: x.at 6 ijev vo'p.o?, oücT sretoav x/jv 
aBsiav eupyjxat xt?, sof.ox.ev to? av ßouXrjxai rcpaxxstv, aXX’ to ? av xfl ßouXrj 
x.ai xu or\ij.to oox.9j. Meine Auffassung des Vorganges weicht in dem 
letzten Punkte von Fränkels Darstellung ab, welcher die Vollversammlung 
von 6000 Athenern endgültig über das Privileg entscheiden lässt. Mit 
der Ertheilung der aBeia gestattet das souveräne Volk, repräsentirt 
durch die mindestens 6000 Stimmenden, dass für den bestimmten Fall 
ein f}ojcpLG[j.a gegen den bestehenden vop.o? decretirt werden dürfe; über 
den Inhalt dieses <]n^pia[j.a decretirt es hier nicht, sondern die gewöhnliche 
Ekklesie. Anders liegt der Fall bei der Ertheilung des Bürgerrechtes, 
indem dort das «Inj^piapia vorausgeht und die Bestätigung durch die Voll 
versammlung der 6000 nachfolgt (vgl. RgNeaera § 89 S. 1375, 11).
	        

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