thumbs: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 15. Band, (Jahrgang 1855)

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Prof. Dr. G r y s a r. 
Stücke vorkommenden Cantica gespielt wurde. So konnte der 
welcher das Stück früher schon einmal gesehen, an dieser Musik 
schon erkennen, welches Drama zur Aufführung kommen würde. 
Für einen solchen war die Ankündigung des Stückes (spectatoribus 
ipsis antecedens titulus pronuntiatur), welche gleich nach dem 
Niedersinken des Vorhangs stattgefunden zu haben scheint, nicht 
nöthig. 
Der Flötenspieler welcher den Vortrag des Canticums mit 
seiner Musik begleitete, stand den oben aus Livius angeführten 
Worten zufolge im Hintergründe der Bühne, vor ihm in der Mitte 
der Cantor, und nach vorne zu, dem Rande des Pulpitums nahe, 
der gesticulirende Acteur. Er bediente sich desselben Instrumen 
tes welches die wettkämpfenden Flötenspieler in Pytho (Delphi) 
gebrauchten, und wurde demnach Pythaulos genannt, um ihn von 
dem Choraulen der sich eines höher tönenden Instrumentes bediente, 
zu unterscheiden. Diomed. p. 489. In canticis autem pythaulicis 
(sc. tihiis) artifex responsabat. Vgl. Arisf. Quint, de mus. pag. 101, 
Meib. Dieser Musikant blies allemal zwei Flöten aus einem Mund 
stück zugleich. Es wird nämlich überall, wo von Theater-Musik 
die Rede ist, die Doppelflöte (tibiae), nie die einfache erwähnt. 
Es waren zwei Arten von Flöten die in ihrer Construction einige 
Ähnlichkeit mit unseren Clarinetten mögen gehabt haben. Die eine 
hatte einen tieferen und nach den Angaben der Alten zum Ausdruck 
des Ernsten mehr geeigneten Klang, die andere gab hohe und mehr 
lustige Töne. Jene hat Donatus die tibia Lydia oder dextera genannt 
(womit nicht völlig stimmt Varro bei Serv. ad Aen. IX, 618, der sie 
zwar auch dextera, aber Phrygia nennt), die andere sinistra oder 
Serrana. Seit Salmasius der in seiner gelehrten Note zu den scriptt. 
hist. Aug. II, p. 828 diesen Unterschied ausführlich besprochen, hat 
man es als eine ausgemachte Sache angesehen, dass der Ton der 
tibia dextera unserem Bass, der der tibia sinistra unserem Dis 
cant zu vergleichen sei. Es lassen sich auch ausser sehr vielen 
anderen Stellen in diesem Sinne die Worte des Appul. Flor. p. 341 
Elmenh. deuten, welcher den Ton der dextera einen gravis bombus, 
den der sinistra einen acutus tinnitus nennt. Ebenso hat man die 
Worte des Donatus in der oben angeführten Stelle: dexterae autem 
suagravitate seriam comoediae dictionem pronuntiabant, sinistrae 
acuminis levitate iocum in comoedia ostendebant, auf den-
	        

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