Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Verhältnisse theils durch die Stellung der einzelnen Satzglieder, 
theils durch gewisse, im formalen Sinne verwendete, selbständige 
Elemente an. 
Der hauptsächlichste Grund für diese Erscheinung liegt 
in der in Folge des veränderten Accentes eingetretenen Zer 
rüttung der Endsilben der einzelnen Worte. Wie ich schon 
anderswo bemerkt habe, war in der alten Sprache die Be 
tonung der Endsilbe vorherrschend, wodurch der Auslaut der 
Worte nicht nur geschützt, sondern auch in vielen Fällen un 
organisch gelängt wurde (vgl. die Keilinschriften, wo i, u im 
Auslaute als iy, d. i. i, und uv, d. i. ü erscheinen). Dem ent 
gegen legte man in der späteren Sprache (vielleicht durch 
Einfluss der benachbarten aramäischen Idiome) den Accent auf 
die vorletzte Silbe, wodurch die nun unbetonte letzte Silbe, da 
sie nicht mehr scharf markirt wurde, der lautlichen Zerrüttung 
anheimfiel. Dadurch fielen nun mehrere Formen, welche durch 
die Verschiedenheit der letzten Silbe von einander geschieden 
waren, in eine einzige zusammen, und da gerade in der letzten 
Silbe der lautliche Ausdruck des grammatischen Verhältnisses 
gelegen ist, wurde dadurch die Sprache um die lautlichen 
Mittel gebracht, die grammatischen Kategorien darzustellen. 
Dieselben waren aber im Bewusstsein der Sprache vor 
handen und mussten durch welche Mittel immer in der äusseren 
Form der Sprache wiedergegeben werden. Solche Mittel bot 
schon die ältere Sprache dar, indem sie in vielen Fällen zur 
Vervollständigung des Ausdruckes Partikeln in Anwendung 
brachte, in anderen Fällen dagegen neben der lautlichen Be 
zeichnung der grammatischen Verhältnisse an den einzelnen 
Wortformen an einer gewissen Stellung derselben innerhalb 
des Satzes festhielt. Während, wie aus der Stellung der beiden 
Glieder innerhalb des Compositums zu ersehen ist, ursprüng 
lich der bestimmende Ausdruck dem bestimmten voranging, 
mithin nach dem Schema räga-putra ,Königssohn' der Genitiv 
dem Nomen, zu welchem er gehört, vorangegangen sein muss, 
daher altindisch putraxya liastah ,des Sohnes Hand', finden wir 
in den eranischen Sprachen meistens den Genitiv dem Nomen, zu 
welchem er gehört, nachgesetzt, und beide mittelst des Relativ 
pronomens verbunden/ Man sagt daher altbaktrisch: znsto yo 
puxh-ajie ,die Hand (Nom.), welche des Sohnes', zastern yim
	        

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