Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich Christoph Schlosser. 
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als die sind, welche gemeiniglich den nackten Thatbestand zu 
sichern streben, wenn man von den Erscheinungen zu den 
treibenden Motiven vorschreiten und diese Motive abschätzen 
will. Doch war es hier nicht unsere Aufgabe, die Grundsätze 
einer allseitig genügenden Methodologie aufzustellen. Sicher 
würden durch die strengere Erfüllung dieser Aufgaben unter 
den Händen des historischen Forschers selbst die Methoden 
sich vervollkommnen, die zum Ziele führen. Es sind nicht 
etwa neue Wege, die noch unbetreten wären; die hervor 
ragendsten neuesten Geschichtschreiber arbeiten bewusst und 
unbewusst an dieser neuen Einschätzung des historisch über 
lieferten Stoffes. Die Pforte zu einer neuen über die philo- 
sophirende Geschichtschreibung hinaus fortschreitenden Bahn 
ist längst eröffnet, sie braucht nicht eingestossen zu werden, 
aber woran es mangelt, ist zuweilen die Einsicht in die prin- 
cipiellen Fragen und die klare Orientirung über die wahren 
Aufgaben, die noch zu erfüllen sind. Indem man hier mehr 
als diese Wissenschaft überhaupt zu bieten vermag, erwartet, 
dort bei weitem weniger als sie sollte, leistet, mag es einer 
Ungeheuern Rührigkeit und einem gewaltigen, rastlosen Fleisse 
gegenüber, welche in den Vorhallen und auf den Vorstufen des 
Tempels herrschen, wohl zuweilen passend sein, einen orienti- 
renden Blick auf den ganzen Bau zu werfen, um sich zu ver 
sichern, ob nicht vom Grundriss abgewichen worden ist.
	        

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