Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 84. Band, (Jahrgang 1876)

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M aassen. 
denen es sich um nichts Andres handle, als. hohe kirchliche 
Würden, Güter und Ehren dieser Welt zu erlangen; die gar 
keinem kirchlichen Stande angehörten; denn sie seien weder 
unter die Regel der Mönche noch unter den canonischen Ge 
horsam des Bischofs gebunden. 1 
Unter Karl dem Grossen scheint die ganze Einrichtung 
der Hofcapeliane noch keine Anfechtung von kirchlicher Seite 
gefunden zu haben. 2 Erst unter Ludwig müssen besonders 
starke Missbrauche hervorgetreten sein. Es scheint namentlich, 
dass die Hofgeistlichkeit sich ganz ausserhalb des hierarchischen 
Zusammenhangs und der Unterordnung unter die kirchlichen 
Obern befunden habe. 
Das Concil von Paris richtet an den Kaiser die Bitte 
die Einrichtung der Hofcapellen und Hofcapeliane ganz abzu 
schaffen, weil darunter das kirchliche Ansehen und der regel 
mässige Gottesdienst litten: 
De presbyteris et capellis palatinis contra canonicam auc- 
toritatem et ecclesiasticam honestatem inconsulte habitis vestram 
monemus solertiam, ut a vestra potestate inliibeantur; quoniam, 
propter hoc et honor ecclesiasticus viliov efficitur et vestri proceres 
et palatini ministri in diebus solennibus, sicut decet, vobiscum ad 
missarum celebrationes non procedunt. 3 
Eine besonders scharfe und tendentiöse Polemik gegen 
das Institut der Hofcapellen linden wir aber in unsern Glossen. 
Der c. 6 des concilium Gangrense ist gegen kirchliche 
Conventikel gerichtet. Die Glosse (n. 3) hielt sich für berech 
tigt von dem in diesem Canon enthaltenen Verbot eine An- 
o 
1 L. c. Pvciesertim et militiam clericorum in palatio, quos capellanos vulgo 
vocant, quia nullus est ordo ecclesiasticus, denotabat plurimum, qui non ob 
aliud, serviunt nisi ob honores ecclesiarum et quaestus saecidi ac lucri 
gratiain sine probatione magisterii atque ambitiones mundi. Quorum itaque 
vita neque sub regula est monachorum neque sub episcopo militat cano- 
nice rel. 
- S. Uber die königlichen Capellano und besonders über die Erzcapellano 
Waitz Verfassungsgeschichte III. 429 fg. 
3 L. IH. c. 19 (Mansi XIV. 601). Ebenso die wormser Synode vom Jahr 
829 (Pefitio) c. 12 (Pertz Leg. I. 340). Ich halte es nicht für gerecht 
fertigt hier mit Pertz gegen die Autorität der Handschrift capellanis 
statt capellis zu lesen.
	        

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