Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Epigraphische Nachlese zum Corpus Iuscriptionum Latinarum vol. III. 
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nach dürfte sie schwerlich jünger als das zweite Jahrhundert 
nach Christi sein. Von solchen Verwünschungen bekannter und 
unbekannter Missetkäter haben wir auf Bleitafeln zahlreiche 
Beispiele, die C. Wachsmu th im Rhein.Mus. N. F. B. 18 S. 560 ff. 
gesammelt und erläutert hat. Näher jedoch unserer Inschrift in 
Inhalt und Form steht der von Wachsmuth (a. O. S. 567) an 
geführte aegyptisch-griechische Papyrus: eitizaXoüp.at cte x'ov sv 
jm y.Evsw, Ttveup.a •)) Betvov, äöpaxov, xavxoy.pxxopa 0e'ov Oewv . . . . 
xj-'oq rfiiv.rpi'i p.s xai xb aip.a xoü f t>6uvocr (?) s^^uaev . . . ; jedoch 
findet sich in unserer Inschrift durchaus die christliche Sprache 
des neuen Testaments angewandt, wie: y.upiop xtöv xv£up,dxcov za: 
Tcxrqq aapzo?, h.yixnxq xb avai'xiov a'.p.x äoizoK, ot a-ppeXoi 0£ou 
5 xäaa <k>-/■)] ev rij ai^p.epov Yjp.spa xaiceivoüxai (vgl. ~pxq. azoxx. 20, 26: 
p.apxupop.ai up.lv ev xvj cr^p.spov rjpdpa, und Petrus I, 5, 6: xaxsivcjOrjxs 
ouv üto xr;v zpaxaiav /stpa xoü ösou etc.) — Ueber die Hände über 
der Inschrift vgl. 0- Jahn über den Aberglauben des bösen 
Blicks in Ber. d. S. Gr. d. W. 1855 S. 515 ff.: ,man muss sich 
erinnern, dass auf einer Anzahl von Grabsteinen zwei Hände 
ähnlich ausgestreckt, so dass die innere Fläche sichtbar ist 
und nach oben gerichtet, angebracht sind*; und S. 55: ,also 
wo Jemand in blühender Jugend (vgl. v. 5 atopov) hingerafft 
ist, dass man fürchten darf, er sei durch Gewalt oder Zauber 
getödtet, ohne dass man den Urheber kennt (v. 3—4: ezi xou; 
SoAii) ipovEucavia? ^app.azeüaavxa?), da wird der allsehende und 
allwissende Sonnengott angefleht, das Unrecht ans Licht zu 
bringen und zu strafen. Diese Bitte und Verwünschung wird 
also durch die beiden emporgereckten Hände symbolisch ver 
stärkt/ — Auch hier ist also der heidnische Usus unverändert 
übernommen und nur statt des Sol Küpioc 5 itdvxa e <p o p w v y.ai 
oi ciyyeXo'. 0soü substituirt. 
Belgrad. 
58) Basis von Marmor, gef. 1872 in Belgrad, jetzt im 
dortigen Museum; auf der Basis Fragment eines menschlichen 
Fusses: 
I N® ? A F A T A Mt A F A L C» N 1 
g) V I P L V S N O N V 1 X I Q. \\ M 
ROMVLVS
	        

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