Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Epigraphisclie Nachlese zum Corpus Inseriptionum Latinarum vol. III. 
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activen und ausgedienten Soldaten bevölkerte Militärgrenze ge 
blieben und die städtischen Gemeinden, die allmälig auf diesem 
Boden bei zunehmendem Gefühl der Sicherheit entstanden, ver 
leugnen nicht ihren Ursprung aus Ansiedelungen von Veteranen, 
Marketendern und anderem Tross, der sich naturgemäss an 
die grossen Lagerstätten anschloss. 1 Sarmizegetusa, der alte 
Königssitz, scheint die einzige bedeutende Stadt in Dacien 
gewesen zu sein, die man schon bei der Occupation vorfand; 
sie wurde sogleich zur Colonie erhoben 2 und war, wenn man 
aus dem ihr in den älteren dacischen Inschriften beigelegten 
Namen: Colonia Dacica schliessen darf, ursprünglich wohl die 
einzige Colonie in Dacien; jedoch soll nach ausdrücklicher 
Angabe Ulpian’s (Digg. 50, 15, 1, 8) auch die colonia Zer- 
nensium (bei Orsova) ebenfalls schon unter Trajan begründet 
1 Vgl. besonders in Betreff von Apulum, wo diese Entwicklung sehr deut 
lich zu verfolgen ist, die Abhandlung von Mommsen im Hermes VIT 
S. 299 ff.: Die römischen Lagerstädte. 
2 Die Gründungsinschrift der colonia Dacica (C. J. L. 3, 1443) ist leider 
im Originale verloren gegangen und nur unvollständig in drei alten Ab 
schriften, von denen eine stark interpolirt ist, erhalten; die Ergänzung 
Mommsen’s: condita colonia Dacica per [leg(ionem)] V. M(acedonicam) 
Scaurianus [leg(atus)] eius pro pr(aetore) [dedicavit], unterliegt, wie er 
selbst hervorgehoben hat, manchen Bedenken; vorzüglich erscheint der 
Gebrauch des blossen Cognomens: Scaurianus in dieser officiellen Urkunde 
als in hohem Grade anstössig. Da ferner nicht einmal die Theilnahme 
der legio V Macedonica an den dacischen Kriegen bezeugt ist, so wird 
man meines Erachtens, trotz der Analogie der fast gleichzeitigen Grün 
dungsinschrift von Thamugas (Renier J. A. 1479), besser thun, vorläufig 
an Borghesi’s Ergänzung: condita colonia Dacica per [d. terentijum 
Scaurianum [leg], eius pro pr(aetore) (vgl. das Militärdiplom vom 17. Febr. 
110, C. J. L. 3, p. 868 n. 25: et sunt in Daeia sub D. Terentio Scau- 
riano) festzuhalten. — Aus vortrajanisclier Zeit ist in Dacien natürlich 
keine Inschrift gefunden worden; mit Recht hat Mommsen die Annahme 
Borghesi’s zurückgewiesen, dass die in Meliadia gefundene Inschrift 
(n. 1566) eines Calpurnius Julianus [leg.] Aug. pr. pr. [prov.] Moes[i]ae 
in die Zeit vor der Theilung von Moesien (unter Domitian) zu setzen sei. 
Die von mir vorgenommene Revision der sehr zerstörten Inschrift be 
stätigt, dass in v. 8 inferioris oder superioris gestanden habe; es lautet 
nach meiner Lesung v. 7—8 
\Vo E S I A E 
(hi /11 /s 
so dass nicht zu unterscheiden ist, ob man inFlErioris oder suF :: EÜrioris 
zu ergänzen habe.
	        
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