Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

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abgehalten. Freilich konnte man sich nicht verhehlen, dass dieser 
vorgeschobene Posten sich nur mit gewaltigen Anstrengungen 
würde behaupten lassen; aber dass sich länger als 150 Jahre 
die immer ungestümer anbrandenden Wogen der gothisch- 
germanischen Yölkermassen an diesem durch Natur und Kunst 
gefestigten Bollwerk gebrochen haben, das war dieser An 
strengungen wohl werth. Es begreift sich, dass unter dem 
Drange unausgesetzter Invasionen und der, trotz zahlreicher 
Siege, nie beschwichtigten Furcht vor der Wiederkehr der 
wilden Barbarenhorden, auch im Innern des Landes Cultur 
und Wohlstand nur eine beschränkte Entwicklung finden konnte; 
war doch die schwere, aber lohnende Aufgabe, welche die 
Römer in Gallien, Spanien, wie in fast allen zur Zeit der 
Republik erworbenen Provinzen mit so grossem Geschick ge 
löst haben, fremdartige unterworfene Nationen sich zu assirni- 
liren, in Dacien überhaupt nicht vorhanden, da man die Occu- 
pation mit der Vernichtung und Austreibung der einheimischen 
Bevölkerung begonnen hatte. Aus allen Th eilen der Welt 
mussten Colonisten von Trajan gewonnen werden, um die neue 
menschenleere Provinz nothdürftig zu bevölkern; auf zahlreichen 
freiwilligen Zuzug aus Italien und den alten Provinzen war 
kaum zu rechnen, denn wenn auch ohne Zweifel der Verkehr 
zwischen Dacien und dem Süden durch Kaufleute vermittelt 
wurde, welche die Erzeugnisse des fruchtbaren Landes in ci- 
vilisirtere Gegenden exportirten, 1 so mochte doch, wer nicht ge 
zwungen war, dort als Soldat oder Beamter Dienste zu thun, 
sich schwerlich die entlegene gefährdete Provinz zum bleiben 
den Wohnsitz ausersehen. Dacien ist stets eine wesentlich von 
1 Vgl. die in Aquileja, dem grossen Stapelplatz des Transithandels aus 
den nordöstlichen Provinzen nach Italien (vgl. Moramsen C. J. L. V 
p. 83), gefundene Grabinschrift (C. J. L. V n. 1047): 
d(is) m(anibus) M. Secundi Genialis domo Cl(audia) Agrip(pinensi) 
negotiat(ori) Dacisco (sic!) und die in Salona gefundene Grabinschrift 
(C. J. L. 3, 2086) der Frau eines: Aur(elius) Aquila dec(urio) Pata- 
visesis (aus Potaissa) ne[g(otiator)] ex pro(vincia) Dacia. 
In Dacien selbst gefundene Inschriften vgl. n. 1500 (Sarmizegetusa): 
Crasso Macrobio negotiatores provinciae Apul(ensis) defensori optimo; 
n. 1209 (Apulum): Collegium nautarum (auf dem Maros), n. 1351 (Deva): 
I(ovi) O(ptimo) M(aximo) Terrae Dac(iae) et Genio P(opuli) R(omani) et 
Commerci . . .
	        
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