Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Hirschfeld. Epigr. Nachlese zum Corpus Inscriptionum Latinarum vol. III. 
Epigrapliisehe Nachlese zum Corpus Inscriptionum 
Latinarum vol. III. aus Dacien und Moesien. 
Von 
Otto Hirsohfeld. 
In der langen Kette von Eroberungen, clie Korns Welt 
herrschaft abschlossen, bildet Dacien das letzte Glied. Es war 
nicht bloss Ruhmessucht, was Trajan vermochte, das Reich 
über seine natürliche Grenze im Nordosten auszudehnen: hatten 
doch die jüngsten Ereignisse unter Domitian gezeigt, wie ge 
fährlich die Nachbarschaft dieses kriegerischen Volkes, an 
dessen Bezwingung schon Cäsar ernstlich gedacht hatte, unter 
geschickter Leitung werden konnte. Die Unterwerfung Da- 
ciens war wesentlich ein Act der Selbstverteidigung und 
ohne Zweifel wäre die freiwillige Wiederaufgabe des mit so 
grossen Opfern gewonnenen Landes für die römische Herrschaft 
an der Donau verhängnissvoll geworden. 1 Hat Hadrian, der in 
richtiger Erkenntniss auf die nicht dauernd zu behauptenden 
Gebiete jenseits des Euphrat sofort nach seiner Thronbesteigung 
Verzicht leistete, wirklich die ernstliche Absicht gehabt, auch 
Dacien aufzugeben, so hat ihn sicher nicht allein die Rücksicht 
auf die neuangesiedelten Colonisten, sondern vor Allem die 
Ueberzeugung, dass der Besitz dieses Landes zum Schutz der 
Donaugrenze unerlässlich sei, von der Ausführung dieses Planes 
1 Anders freilich urtheilt Gibbon I. c. 10: „it is probable, that the con- 
quests of Trajan, maintained by bis successors, less for any real advan- 
tage, than for ideal dignity, bad contributed to weaken tlie empire on 
tbat side.“ 
I
	        

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