Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

Müller: Bemerkungen über die schwache Verbalflexion des Neupersischen. 359 
Bemerkungen über die schwache Verbalflexion des 
Neupersischen. 
Von 
Dr. Friedrich Müller, 
Professor an der Wiener Universität. 
Ich habe in einer im Jahre 1863 der kais. Akademie 
vorgelegten Abhandlung, betitelt: ,Die Conjugation des - neu 
persischen Verbums, sprachvergleichend dargestellt', welche 
im XLIV. Bande der Sitzungsberichte (S. 220 ff.) abgedruckt 
worden ist, auf S. 236 (Separatabdruck S. 19) die Eigenthüm- 
lichkeit der meisten neupersischen Verba behandelt, welche 
darin besteht, dass die Suffixe des Infinitivs —dan und des 
Participium perfecti —dah sammt den von dem letzteren 
Suffixe ausgehenden Weiterbildungen nicht unmittelbar an die 
Wurzel, sondern mittelst eines vorausgehenden —i— angefügt 
werden. — Ich habe dort bemerkt, dass sämmtliche dahin ge 
hörende Verba als Denominativbildungen aufzufassen seien. 
Ich kann nun nicht umhin, auf einen ganz gleichen Vorgang 
in den slavischen Sprachen hinzuweisen, der von A. Schleicher 
in seiner ,Formenlehre der kirchenslavischen Sprache' S. 192 
ausführlich abgehandelt wird. 
Gewöhnlich glaubt man, dass diese Denominativbildung 
im Neupersischen auf den Infinitiv, das Participium perfecti 
und die von dem letzteren ausgehenden Formen sich beschränke; 
wie ich im Nachfolgenden darthun werde, ist das jedoch 
nicht der Fall, sondern es scheint früher die Denominativ-
	        

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