Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 77. Band, (Jahrgang 1874)

304 
Meyer. 
Gegenden selbst bereisen und diese wichtigen, Fachmänner er 
fordernden Fragen nicht anderen Forschern als Nebenbeschäf 
tigung überlassen, da diese sie naturgemäss nur durchaus un 
genügend lösen können. Selbst die einfache Herbeischaffung 
des Materials ist schon mit ganz besonderen Schwierigkeiten 
verknüpft. Es gehört ein specielles erst schwer zu erwerben 
des Geschick dazu, dem naiven Sohne der Wildniss Antworten 
zu entlocken, welche in der That auch Antworten auf die ge 
stellten Fragen sind, und es ist die vollständigste Concentra- 
tion auf diese Forschung an Ort und Stelle nothwendig, um 
wirklich zuverlässiges Material herbeizuschaffen; es ist dann auch 
eben nothwendig, dass der Reisende alle diese Dialekte selbst 
erlerne und sich ganz und gar nicht auf die Verballhornisirung 
von Dolmetschern verlasse, welche wedet- Interesse, noch Ver- 
ständniss, noch die unentbehrliche Gewissenhaftigkeit für diese 
Fragen haben können. 
Es sei mir ferner gestattet Eingangs noch in Kürze und 
in aphoristischer Weise einiger Umstände Erwähnung zu thun, 
welche, wie mir scheint, zum Theil in der Natur der Sprache, 
welche auf Neu-Guinea herrscht, zum Theil in der Natur der 
Menschen, welche sie sprechen, liegen mögen, d. h. in ihrer 
physischen und geistigen Anlage und in ihren Sitten, und 
welche dazu beitragen oder es vielleicht ganz und gar bewirken, 
dass diese Dialektverschiedenheit sich ausbilden konnte und 
fortwährend weiter fliesst. 
Es sind die Papuas, wie schon Wallace hervorgehoben 
hat, sehr geschwätziger Natur, kaum dass sie schweigen; 
wie sich nun plappernde und spielende Kinder vielfach selbst 
Wörter und Bezeichnungen bilden, so thun sie es auch, theils 
lediglich zu ihrer Belustigung, theils um ihren Zweck damit 
zu erreichen. Sie haben zudem das Bestreben Alles, was 
sich ihrer Aufmerksamkeit unterbreitet, sofort concret zu be 
zeichnen, und so kommt es, dass sie nie um eine Antwort 
verlegen sind, wenn man nach dem Namen irgend eines Ge 
genstandes, eines Thieres, einer Pflanze, eines Felsens, einer 
Oertlichkeit u. dgl. m. fragt. Daher habe ich auch einen 
Ueberfluss von geographischen Namen, z. B. verzeichnet, welche 
aber für die Geographie des Landes nicht viel Werth haben, 
weil sie kaum bleibende sind, oder weil sie nur in dem Munde
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.