Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Haupt. Bruder Philipps Marienleben. 
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Bruder Philipps Marienleben 
von 
Joseph Haupt. 
.Zu den beliebtesten Büchern des XIV. und XV. Jahr 
hunderts gehörte in Deutschland das Marienleben des Car- 
thäusers Philipp. Das geht schon aus der Zahl der uns ent 
weder vollständig oder in grösseren und kleineren Trümmern 
verbliebenen Hss. hervor. Zu den bisher bekannten fünfund 
zwanzig treten in den folgenden Blättern fünf, von denen zwei 
bisher zwar bekannt aber nicht erkannt waren, die andern drei 
jetzt erst aus der Verborgenheit ans Licht gezogen werden. 
Mit der Zahl von dreissig Hss. tritt Philipp zunächst den 
Werken Wolframs. 1 
H. Rückert hat dieses Reimwerk 1853 als den XXXV. 
Bd. der Quedlinburger Bibliothek der deutschen National-Lite- 
ratur veröffentlicht und keinen Anstand genommen, den Text 
in die gemeine mhd. Sprache umzuschreiben. Die Fülle von 
Reimen, die laut gegen jede mhd. Mundart schreien, hat er 
zwar nicht überhört, sie aber als österreichische zu rechtfer 
tigen gesucht. In allen Fällen, wo ihm dies unmöglich war, 
musste entweder der Archaismus herhalten oder die Verwilde 
rung der Sprache im XIV. Jahrhundert Schuld tragen. 
1 Fr. Pfeiffer, Quellenmaterial zu altdeutschen Dichtungen (Denkschriften 
der k. Akademie. Bd. XVII.) zählt S. 36 vom Parzival 43, S. 38 vom 
Willehalm 35 Hss. auf; Zahlen, die von keinem anderen mittelhoch 
deutschen Dichtwerk erreicht werden. Von den Nibelungen sind alles in 
allem nur 28 Hss. aufgefunden, s. Bartsch, Der Nibelunge Not, Leipzig 
1870 S. XV.
	        

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