Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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Müller 
Obgleich die von mir für dieses Lautgesetz angeführten Beispiele 
manchen Sprachforscher (vgl. Schleicher, Indogerm. Chrestomathie 
p. 332) überzeugt haben, glaubt einer der gründlichsten Kenner der 
eranischen Sprachen, Spiegel, das Vorhandensein eines solchen 
Lautgesetzes bezweifeln zu müssen (vgl. Heidelberger Jahrbücher für 
Literatur 1869. 276). Diesem Zweifel gegenüber bin ich in der Lage, 
zwei schlagende Beispiele anführen zu können, deren Richtigkeit um 
so weniger bezweifelt werden kann, als sie ganz concrete Ausdrücke 
betreffen. Es sind dies der Name des Amschaspand' s Asa vahista 
und der Ausdruck fravasi. Ersterer Name, welcher uns in der oben 
citirten Gestalt im Altbaktrischen entgegentritt, lautet im Pehlewi 
'f’-'üifr (antvahist), im Neupersischen (ardi-baliist). 
Diese beiden Formen können aber dem altbaktrischen Ausdrucke 
• --“{jv 1 unmöglich entsprossen sein, sondern setzen eine 
westeranische Form arta vahista voraus '). 
Was nun den Ausdruck fravasi ('gj' 1 »*!^) betrifft, so lautet er 
im Neupersischen (farwar), im Pehlewi intid (fravdrj, 
woraus die unsinnige Parsi-Form (frdhar) entstanden ist, 
lauter Formen, welche notlnvendiger Weise ein westeränisehes fra- 
varti voraussetzen, welches sich auch wirklich als Eigenname in den 
Keilinschriften nachweisen lässt. 
III. (dahdn ). 
Von diesem Worte, welches bald oUo, bald bald auch 
oyo geschrieben wird, finde ich nirgends eine Etymologie ange 
geben, daher ich es für angemessen halte, meine Ansicht über seine 
Ableitung in Kurzem auszusprechen. 
Wie ich vermuthe, ist olio nichts anderes als das altbaktrische 
("et“) fzafan) „Mund“; vgl. (zafarej „Rachen“ und altind. 
(jamblia „Rachen“, dann „Zahn“ == slav. zqbu und griech. yexp<pai, 
*) Auch die Pehlewi-Ausdriicke 3VinX (ahraw) = altb. (asavan) und 
*]*lö“lil^ (ahrmok) = (asemaogha) können herbeigezogen werden, 
insoferne sie westeranische Formen artavan, artemaogha vorausselzen. Es. ist hier 
früh Transposition von rt zu tr eingelreten und das tr wurde wie altind. putra, 
altbaktr. (puthra) = Pehlewi “UTlD (puhr) in hr verwandelt.
	        
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