Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

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Goldbacher 
Überzeugung meist zu schwach, um in der Constituirung des Textes 
einen sicheren Haltpunkt zu bilden. Wurde also schon dadurch viel 
fach die richtige Leseart verdrängt, so schadete unserem Autor un 
gleich mehr ein anderer Umstand. Dass Apuleius manches veraltete 
Wort und manche seltene Wendung hervorgezogen, dass die Kühn 
heit der Diction ihn nicht selten bis zur Verschrobenheit verleitet, 
dass er selbst sich manche Neuerung in Fügung und Wortbildung 
erlaubt habe, können wir so wenig leugnen, als wir andererseits ge 
stehen müssen, dass eben dies die Kritik des Apuleius in eine ganz 
falsche Richtung gebracht habe. So klagt schon Hildebrand in der 
Vorrede seiner Ausgabe: Denique Beroaldus a perversitate quadam 
non über fuit, quam omuesfere Apulei interpretes occupasse cogno- 
scitur, quaeque accuratius hic eo explicanda erit, quod inde perspici 
licet, qua ratione scriptoris toties tractati libri hodieque tarn mutilati 
et depravati sint. est enim ista tamquam prurigo, qua ohsoleta quaeque 
et pervetusta Apuleio vindicata sunt, quaeque in nullo praeter eum, 
quantum video, scriptore tarn magna ac tarn pestifera unquam fuit, 
quamvis Beroaldus certis vinculis adstringi se passus sit, quae tarnen 
secure eius imitatores rumpere soliti sunt, ut ad eam progressi sint 
iudicii ac mentis perversitatem, quam non doctrinae affectationem sed 
insaniam rectius nominaveris, a Wowerio denique et Brantio ad 
summum fastigium evectam est autem abominanda rudis 
illa et incondita doctrina, quae omnium longe est facillima, quum sit 
nihil tarn cassum, nihil tarn obsoletum, nihil tarn absurdum, quod tali 
scriptori qualis Apuleius est, intrudere illi non conentur: si latina non 
sufficiunt, graeca petunt, si Plautus effugit, Nacvium sectantur. Und 
derselbe Hildebrand, was traut er nicht selbst alles dem Apuleius zu! 
Wie oft gefällt ihm nicht eine Überlieferung gerade deshalb, weil der 
Ausdruck selten und sonderbar ist, wie oft findet er nicht selbst Un 
erhörtes bei Apuleius für möglich! Zu dem kommt bei ihm noch ein 
ganz verkehrter Grundsatz in der Verwerthung des kritischen Mate 
riales. Man braucht nämlich nicht viele Blätter seiner Ausgabe zu 
lesen um einige Male zu hören, diese oder jene Schreibweise sei 
die richtige, weil sie schwieriger, seltsamer, ungewöhnlicher sei als 
eine andere, und die Abschreiber gewiss nicht diese in jene verändert 
haben würden. So verschmäht er z. B. de dogm. PI. II. c. 17, p. 244 
iccircoque (nocere) prius est quam noeeri, wo prius gewiss nur ein 
Versehen für peius ist, was noch überdies zwei Zeilen unterhalb:
	        

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