Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 66. Band, (Jahrgang 1870)

Über das baskische Alphabet. 
der seine Klytemnestra und seinen Ägysthos im eigenen Weibe und 
deren Buhlen fand. Humboldt hat dieses Lied nach einem Manus- 
cripte herausgegeben*); der darin stets wiederkehrende Refrain : 
„Lelo, Lelo!* hat dasselbe in ungünstiger Weise berühmt, ja spriich- 
wörtlich gemacht, indem man die. Langeweile mit dem Ausdrucke : 
„betico Lelo“ 6 ), „der ewige Lein“ bezeichnet. Das Lied ist keines 
wegs sehr all und reicht kaum über die sonstigen Anfänge der bas- 
kischen Literatur hinaus, die in keine frühere Zeit als in das Ende 
des fünfzehnten Jahrhunderts gesetzt werden dürfen 6 ). 
Damals also und schon längst zuvor gab es kein einheimisches 
Alphabet mehr, sondern dieses war unter dem octroyirten lateinischen 
erstorben; damit waren aber die baskischen Laute nicht ertödtet. 
Sie dauerten fort trotz dem fremdartigen Alphabete, welches auf die 
Sprache selbst so wenig passte, wie — man verzeihe den höchst 
trivialen Ausdruck — wie die Faust aufs Auge. 
Die einheimischen Sprachforscher, namentlich im französischen 
Baskenlande, haben schon seit längerer Zeit sich damit beschäftigt, 
Alphabete für ihre Muttersprache aufzustellen; wegen der Ver 
schiedenheit der Dialecte kann man eben die Mehrzahl nicht ver 
meiden. Wenn man mit diesen Versuchen noch diejenigen Alphabete 
vergleicht, deren man sich in den gewöhnlichen Druckschriften be 
dient, so tritt eine ausserordentliche Verschiedenheit hervor. Man 
mag bei dem Widerstreit der Meinungen es als einen etwas zu weit 
getriebenen Scherz bezeichnen, wenn Chaho sein Dictionnaire basque- 
frangais, espagnol et latin 7 ) (Bayonne 1856) mit einem Artikel 
unter der Überschrift: „La guerre des alpbabets“ eröffnet und hier 
die einzelnen Buchstaben in einer parlamentarischen Sitzung sich so 
sehr gegen einander erhitzen lässt, dass sie öfters zu einem Glase 
A) W. v. Humboldt legte noch einen hohen Werth auf dieses Lelolied und hat 
dasselbe in seinen Berichtigungen und Zusätzen zum Mithridates (Bd. 2. Absehn. I, 
S. 83 u. ff.) nach einem ihm mitgetheilten Manuscript herausgegeben. Eben so ist 
der Gesang von Altabiscar und das Lied auf Hannibal unecht. 
6 ) Salaberri, Vocabulaire p. 117 gibt das Wort Lelo durch usage, habitude 
wieder. 
®) S. ß l a d e, Etudes, p. 260. 
7 ) Das Werk ist leider unvollendet geblieben, es reicht bis zum Worte „Letura“ in 
der Reihe der aus dem Lateinischen recipirten Wörter; die eigentlich baskischen 
waren einem späteren Bande aufbehalten.
	        
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