Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 65. Band, (Jahrgang 1870)

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K v j c n 1 a 
die Bedeutung „oder“ erhielt, war der corresponsive Gebrauch 
rj — r h das ursprünglich „so — so“ bedeutete, dann (indem man 
die in dem Verhältniss beider Glieder gedachte Beziehung auf die 
Partikeln selbst übertrug) die Bedeutung „so — anders, ent 
weder— oder“ erhielt. Man liess dann, nachdem man die ur 
sprüngliche Bedeutung von v? nicht mehr fühlte, das erste fi weg und 
legte dem zweiten yj dieselbe Bedeutung „oder“ hei, die manesehon 
in der corresponsiven Verbindung rj — r, fühlte. 
Kehren wir nun zu quisque zurück. Es ist also eigentlich ein 
indefinites Pronomen und bezeichnet „einen beliebigen ein 
zelnen “, aber jeden, auf den ein gewisses Prädicat passt. Es unter 
scheidet sich von omnes und anderen Wörtern, welche die Allheit, 
Gesammtheit bezeichnen, eben dadurch, dass jedes Individuum ein 
zeln zu nehmen ist. Die Vereinzelung und Selbstständigkeit wird 
zuweilen noch durch pro se hervorgehoben, wie Plaut. Amph. 1, 1, 
76. Ter. Heaut. 1, 1, 74. Man kann desshalb dem quisque einen 
distributiven Sinn beilegen, wie es denn wirklich durch singuli 
vertreten werden kann, so wie umgekehrt. So könnte z. B. bei Cic. 
Verr. 2, 2, 53 clescribebat censores binos in smgidas civitates oder 
bei Varro L. L. 9, 1, 127 nt rationi obtemperare debet gubernator, 
gubernatori unusqiäsque in Jiavi, sic populus rationi, nos singuli 
populo auch in quamque civitatem, nostrum quisque stehen, und 
umgekehrt bei Cic. fam. 1, 9 ego quid ad te tuorum quisque ne- 
cessariorum scribat, nescio auch singulii). 
Ferner steht quisque in proportionalen Sätzen, in denen die in 
definite Bedeutung besonders deutlich hervortritt, mit quis ziemlich 
auf einer Stufe. Nehmen wir z. B. einerseits Sätze, wie Tac. Ann. 
2, 26 quantum qids damni professus erat. Hist. 3, 58 amicorum eius 
quanto quis clarior, minus fidus — und anderseits Sätze, wie Cic. 
Bose. com. 11 quo quisque est solertior, hoc docet laboriosius. de 
or. 1, 28 nt, in quo quisque artificio excelleret, is in suo genere 
Roscius diceretur — so ist klar, dass im ersten Falle auch quisque, 
im zweiten auch quis stehen könnte. 
D Dagegen ist zwischen quotidie und in singulos dies ein Unterschied, der hei Cic. 
Aü. 5, 7 klar zu Tage tritt: quotidie vel potius in dies singulos breviores ad te 
literas mitto. Cicero corrigiert den Ausdruck quotidie (da dieser „Tag für 
Tag“ bedeutet) durch in dies singulos d. i. an jedem einzelnen Tage, an 
dem ich überhaupt einen Brief absende.
	        
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