Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

Veddnta-s4ra. 
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der dabei thätigen Einflüsse vergegenwärtigt, so kommt man zu der 
Überzeugung, dass zwischen den einzelnen Partien dieser Docuinente 
lange Zeiträume verfliessen mussten, bis sie die uns jetzt vorliegende 
Redaction erhielten. Wir möchten sagen, es zeigt sich in ihnen eine 
weit in die Vorzeit hinaufreichende Perspective. 
Während nun diese durch die Upaniäads charakterisirte geistige 
Bewegung, in Folge des Auftretens zahlreicher Veda-Schulen, sich 
ausbreitete, konnte es nicht fehlen, dass sich verschiedene Gedan 
ken-Strömungen bildeten, dass man neue Richtungen verfolgte und 
dass, unterstützt von der dem indischen Naturell inwohnenden Nei 
gung zur Synthesis, verschiedene Systeme auftraten. 
Das bedeutendste und folgenreichste unter diesen war und 
wurde ohne Zweifel das Sänkya- System, in welchem man ein er 
starktes, von den herrschenden Dogmen unabhängigeres, kritisches 
Denken erkennt. Die Keime des Sänkya liegen schon im alten Ve 
danta, wie wir dies bei einer spätem Darstellung desselben nach- 
weisen werden. Das Sänkya - System hatte auch auf das indische 
Lehen den grössten Einfluss, denn es steht ausser Zweifel, dass aus 
demselben der Budd'ismus hervorging, anfangs wohl erst als theore 
tisches System, das sich aber später als neue, auf Freiheit gegrün 
dete Lehens - Ordnung, die der brahmanischen Kasten-Verfassung 
entgegengesetzt war, ausbildete. 
Der erste Versuch aus den in den einzelnen Upanisads ent 
wickelten Ideen, namentlich aus den obengenannten, welche zu den 
ältesten und wichtigsten gehören, ein Ganzes zu bilden und eine ein 
heitliche Lehre aufzustellen, tritt uns in den Brahma-Sütra entgegen. 
Als Verfasser derselben wird Bädaräyana genannt, der wieder iden 
tisch sein soll mit Vyäsa oder Vedavyäsa und mit Dvaipäyana oder 
KrSna Dvaipäyana. 
Dass den Brahma oder Säriraka-Sutra schon andere Werke der 
Art vorangegangen waren, lässt sich wohl mit Sicherheit voraus 
setzen, wir haben sie nur desshalb den ersten Versuch genannt, weil 
uns bis jetzt noch kein anderer bekannt geworden ist. 
Für das Verhältniss, in welchem die Brahma-sutra zu ihrer Zeit 
standen, ist der Umstand wichtig, dass sie uns in ihren polemischen 
Abschnitten ein umfassendes Bild der philosophischen Richtungen 
jener Epoche geben. So führen sie unter andern auch die Budd'isten 
schon mit ihren verschiedenen Secten an und bekämpfen sie. Rück-
	        

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