Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 63. Band, (Jahrgang 1869)

36 
P o I e y 
über die Schöpfung der Welt und die Motive derselben, über die 
Natur Brahma's als Weltseele, als Summe aller Einzel-Seelen, über 
das Verhältniss des höchsten Geistes zur Welt, über den Zusammen 
hang von Leib und Seele, über das höchste Gut des Lebens, über 
das Leben nach dem Tode u. s. w. Die Form, in der diese neuen 
Gebilde des so reichbegabten, eindrucksfähigen, man könnte sagen, 
denksüchtigen Geistes der Indier erscheinen, ist sehr unbestimmt und 
willkürlich, bald metrisch, bald in Prosa; theils sind es Erzählungen 
oder Gespräche zwischen Brahmanen, die sich zu gegenseitiger Be 
lehrung oder bei festlichen Gelegenheiten versammeln, um schwierige 
philosophische Fragen zu besprechen, theils sind es Vorträge, die 
der Lehrer seinem Schüler oder der Vater seinem Sohne mittheilt. 
Öfters erscheinen auch Könige und werden, was auffallend ist, von 
Brahmanen zu Rathe gezogen, seihst Frauen treten auf und beschäf 
tigen sich mit den ernsten Fragen des Lebens. 
Da, wo die UpaniSads in den einzelnen Vedas sich finden, gehen 
gewöhnlich kurze Gebete und liturgische Segenssprüche voran und 
folgen auch am Ende derselben. Diese Segenssprüche sind für die 
einzelnen Vedas verschieden, wie ein Auszug zeigt aus dem Muktikä 
Upani&ad, den wir als Beilage folgen lassen. 
Indem wir die UpaniSads als die charakteristischen geistigen 
Erzeugnisse der nach-hymnischen Periode bezeichnen, wollen wir 
damit nicht etwa gesagt haben, dass sie alle diesem zweiten Stadium 
der indischen Geistes-Entwickelurig angehören, sondern wir müssen 
ausdrücklich bemerken, dass wir diese Documente in drei Classen 
theilen: 
1. In die ältesten, die wir organische nennen, weil die in 
denselben enthaltenen Ideen die allgemeine Grundlage wurden für 
die geistige Bildung der Brahmanen. 
2. In solche, welche schon das Bestehen philosophischer Systeme, 
z. B. des Sa'nkya, voraussetzen. 
3. In solche, welche in spätem Zeiten und bis auf den heutigen 
Tag sich als Träger von Seeten-Ansichten ausweisen. 
Zu den ältesten Upanisads rechnen wir das Vrhadäranyaka und 
Cäridogya, die beiden an Umfang wie Inhalt bedeutendsten. Den 
ersten halten wir für noch älter als den zweiten. Beide erscheinen 
uns jetzt als fertige Compositionen, wenn man aber ihren Inhalt 
prüft, sich die Gesetze der Gedanken-Entwickelung und das Wirken
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.