Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 42. Band, (Jahrgang 1863)

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Dr. Fr. Müller 
drucke seines Begriffes angewendet wurde. Dorn fasst es eben so 
demonstrativ und hält es mit dem deutschen „der, die, das“ des 
selben Ursprungs. 
Meiner Ansicht nach halten wir in dem avghänischen Genetiv 
zeichen nicht nur ein indogermanisches, sondern ein echt eräni- 
sches Element vor uns. Es stimmt sowohl was den Gebrauch als 
auch was den Ursprung desselben anbelangt, mit der neupersischen 
sogenannten Idäfat vollkommen überein. So wie diese nichts an 
deres ist, als ein Überbleibsel des im Altbaktrischen auftretenden 
Heiativpronomens -»re (ya), wie man aus dem Parst überzeugend 
beweisen kann (vgl. Spiegel, Parsigrammatik, S. 52), so entstammt 
auch unser da gewiss nichts anderem als dem Pronominalstamme 
tya, der in den Keilinschriften dem altbaktrischen ya gleich gilt. 
Der Dativ wird gebildet, indem man dem Worte di ((ah), aS 
(Iah), i>J (larah) nachsetzt; allen dreien kann noch j (wa) ver 
stärkend beigefügt werden, das aber vor das Wort tritt, so dass 
letzteres dann von zwei Partikeln eingeschlossen wird. Neben Ai 
(tah) kommt auch dij (watah), wahrscheinlich nur eine Verstär 
kung desselben, vor. 
Von diesem Elemente ist di (fall) mit dem Neupersischen Ü 
(tu) in der Bedeutung „bis, zu“ zu vergleichen, *1 (lall), i>) 
(larali) hängt höchst wahrscheinlich, wie schon Dorn (a. a. Orte 
S. 47) vermuthet, mit dem Neupersischen \j (ra), Pehlewi 'NI 
(räi) und dem Altpersischen rddiy „wegen“ (vgl. Spiegel, Huz- 
varesebgrammatik, S. 67) zusammen. Echt eränisch ist(wa), das 
ich mit dem Pehlewi nx (aiv) und dem Parsi 4 (di) identilicire. 
Auch das neupersische Aj (hih), (bi), das häufig zur Bildung 
des Dativs verwendet wird, mag zur Vergleichung herbeigezogen 
werden. — Schwieriger sind die Zeichen des Ablativs a1 (lali), 
Ai —a! (lah-nah), J> (tar), wovon ersteres und letzteres vorge 
setzt werden, a! (lall) und Ai (nah) das Wort in die Mitte neh 
men. Aus letzter Partikel, welche vielleicht mit dem altbaktrischen 
(tare), (taro) identisch sein dürfte, scheint hervorzuge 
hen, dass in der diesem Casus zu Grunde liegenden Anschauung 
der Begriff des Überschreiten gelegen ist; woraus dann jener des
	        
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