Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 42. Band, (Jahrgang 1863)

4 
Dr. Fr. Müller 
Da das Pa^to, wenngleich es in manchen Puncten den älteren 
manischen Dialekten sich nähert, seiner ganzen Natur nach ein 
ziemlich modern gehaltenes Idiom ist, so kann hier von einer Dar 
legung der Wurzel-Elemente und der Stammbildungen nicht die 
Bede sein, deren Darstellung der Grammatik der älteren Dialekte 
angehört. Wir müssen uns daher auf die Aufzählung und Beleuch 
tung derjenigen Elemente beschränken, welche das Pa^to entwe 
der aus älterer Zeit als solche, wenn auch nunmehr versteinert, 
überkommen, oder gleich den verwandten Schwestersprachen an 
Stelle der verloren gegangenen organischen Functions-Elemente 
erzeugt hat. Dabei schicken wir die Darstellung des Nomens jener 
des Verbums voraus. 
I. N o m e n. 
Hier kommen folgende Puncte in Betracht: Geschlecht, Zahl, 
Endung. 
Geschlecht. Was das Geschlecht betrifft, so ist es hier 
zwar nicht so lebendig u'ie in den älteren Sprachen, aber die 
Sprache kennt es und hat dafür bestimmte Merkmale. Im Allgemei 
nen wird das Femininum durch ah gekennzeichnet, z. B. (äs) 
Pferd, altb. (agpa), neup. (asp) — A—<1 (aspah) Stute. 
(u%) Kamehl, alib. (ustra), neup.^.^1 (ustnr) — 
(uyali) Kamehlinn. Man darf aber nicht etwa glauben, diese Art 
der Motion, welche der in den semitischen Sprachen gebräuch 
lichen frappant entspricht, müsse diesen entlehnt sein, sondern es 
ist vielmehr ah wahrscheinlich nur eine andere Schreibung für ä, 
welches das regelrechte alte Feminin zu dem in den neuen Idiomen 
ganz abgefallenen masculineri kurzen a darstellt (vergl. im Altindi 
schen dirglia „lang“ mascul., dirgha fern., im Altbaktrischen ya-g 
welcher, yd welche). Wir sehen, dass das Pa^to auch in diesem 
Puncte den anderen neueren eränischen Sprachen gegenüber, 
welche von einer Motion des Substantivs gar nichts mehr wissen, 
ein bedeutendes Stück Alterthum gerettet hat. 
Zahl. Als Zeichen des Plural sehe ich an (Nebenformen äna, 
dno, dnn, d) an, das dem neupersischen Pluralzeichen bei belebten 
Wesen an entspricht. Davon lassen sich una, üno, unu, im, ii, d
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.