Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 25. Band, (Jahrgang 1857)

Wörterbuch der deutschen Mundarten des ungarischen Berglandes. 
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gangen ist wie in der Schriftsprache 
zu gehn, gen, gern geworden (siebenbürg. 
gön, imp. gang, Mag. I, 269) infin. gern; 
III. Pers. er geit, L. 30, imp. geit! L. 35. 
* da geht of dos, der geht auf das, d. h. 
geht auf das aus, hat es zur Absicht. R. II, 
233. Gang, der: Spur des Wildes: am 
Morgen zeigte uns der Mann unterschied 
liche Gänge, so er auch besonders nannte, 
als wo die wilden Pferd, die Bären, die 
Gemsen und andere Tiere ihren Aufent 
halt und Lauf, um an diesem See zu trin 
ken, pflegten zu nehmen. Simpl. 70. 
Gansennc, die: weibl. Gans, G. II, 
302, Ganshenne? Gansinne? Gans, die: 
Gans; Gänes, der Gänserich; vgl. 
Goner. 
Gantner, der: Balken, worauf die 
Weinfässer ruhen, G. II, 302, engl. 
gauntre, fr. chantier; conlherius, vgl. Schm. 
II, 58. ^ 
Gär, der: „süsser Gär: Kamille“ G. 
I, 145, zu gären oder gar ? 
Garben, die: Hefe, G. II, 302, Schm. 
II, 65 hat der Gärben. Mild, der und diu 
gcrive. Das Wort gehört zu gären, vgl. 
Ben. Müll. I, 529 lf. 
gar, meist gor: gar, *goa, Kor. 375. 
Das mhd. Zeitwort: garwen, gerwen: etwas 
bereiten, sich rüsten, anziehen, scheint 
erhalten in Gcrkammcr, die: Sacristei, 
Br. 147, siebenbürg. Gertkummer, mhd. 
gerwekamere: Gemach, in welchem der 
Priester sich anzielil. Ben. M. I, 782. Gar- 
küttel, der: das Chorhemd, G. II, 302, d. i. 
die Kutte, welche man in der Gerkammer 
anzieht ? 
Garstvogel, der: Spottname des 
Sperlings, der auch übertragen wird auf 
die eine derbere, breitere Mundart (nament 
lich a für c, vgl. Mag. II, 484, Masser, La 
der, Mansch, Baar, Schmaar, Balz, Fader', 
jedoch: Herr, Lehre. Das o wird, wo es 
lang oder wegen nachfolgenden einfachen 
Consonanten gedehnt worden ist, zu ou: 
Ilousen, Mous etc.) sprechende Bevölke 
rung des Zipser Oberlandes (s. Land), 
die der Dorfsprache und Griindnersprache 
sich nähern. Der Zipser deutet Garstvogel 
als Vogel, der Gerste frisst, „Garstvogcl- 
Dialekt, der hässlichste unter allen in den 
Dörfern unter der Tatra, zu Lomnitz, 
Walddorf, Rochus, Schlagendorf“. Csaplo- 
wits 126. Rumy zählt ihn dem Gründner 
Dialekt bei. Ilesperus XXX, Seite 16. 
gästc ist eine Kuh, die in dem Jahr 
nicht gekalbt hat und doch noch melk 
ist, G. I, 145; ob damit schweizerisch ent- 
gästen: verunstalten, schänden, Stald. 
I, 426; gastlich: ansehnlich, wohl ge 
formt, daselbst, oder glitsch: lascivus? 
s. gätsch zusammenhängt? vgl. galt Schm eil. 
II, 40. 
Gasparek, „ein Rumorgeist in den 
Thälern Zipsens“, der Nachts zu Pferde 
herumtobt. Csapl. 138. s. Hexe. Kaspar. 
♦gasterieren: bewirthen. R. II, 233. 
gätscli: lascivus, unzüchtig, bei 
Stalder I, 426 ist auch in der schlesischen 
Mundart erhalten in Gatschrich: geiler 
Kerl, Weinh. 26. Ganz unkenntlich gewor 
den, scheint es mir noch anzuklingen in 
Tschatelaus (s. d.), Tschctschelose, indem 
es das unverständlich gewordene mhd. Wort 
getelos, das dieselbe Bedeutung hat, als 
das Wort nicht mehr verstanden wurde, mit 
Anlehnung an gätsch, erst in gätschelös, 
gatschclbs, dann in Tschetschelös, Tschate- 
los verwandelt hat. So heisst nämlich die 
Zeitlose, welcher Name freilich auch eine 
grosse Ähnlichkeit mit dem Obigen hat. 
Aber siebenbürgisch heisst sie Gadeluis, 
Mag. I, 267, und dies wird wohl = getelos, 
d. i. schamlos, geil (besonders von unzüch 
tigen Frauenzimmern) sein. Die Zeitlose 
heisst nämlich sonst: nackende Hure (Ca- 
roli Linnee syst, naturse a .1. Beckmanno, 
Gotting® 1772, II, 133, vgl. auch Schm. IH, 
363 Schemmcr), weil sie keine Blätter hat, 
schamlos nackt einhergeht. 
Gaul, der: Ungeheuer, Götze? Das 
Kriekehaier Lied (Schröer Weihnachtsp. 
Seite 156) hat ferner noch folgende Verse, 
die ich a. a. O. weggelassen habe, weil sie 
mir nicht recht verständlich sind: 
(bir sain die herre won finstern stjern 
wresse und saufe und zuole nit gjern) 
die kochen tumelt sech om den hjerd 
bos se’s puon - lebet (Bohnensuppe) hot 
omgckjcrt. 
der Ofen is ein groszer Gaul 
werft im a guts stück holz ins maul, 
der Ofen steht hinter der tilr 
heet je*' fiisz, so geng er afiir. 
Gaul, mhd. gül, güle: der Eber (Jul- 
eber?J, das Ungeheuer, der Götze, daher 
als Beiname des Ofens, der noch so häufig 
ein Gegenstand ist, an den sich heidnische 
Erinnerungen knüpfen, hier merkwürdig. 
Obige Stelle könnte an die bekannten 
Fundgruben I, 179 (vgl. Diemer 264 f.) 
erinnern: in derselben friste (dö Xtus zwene 
tage geruowet in dem grabe) zestörte er 
die helle veste etc. an der (selben) 
stunde gesigt er an dem helle hunde; sine 
kiuwen er im brach, vil michel leit im da 
geschach. ich weiz er in bant mit siner 
zeswen hant. er warf in an den helle grünt: 
er leit im einen bouc (al.zoll) in sinen munt: 
daz demselben güle ofen stuont daz müle ; 
daz der freislich (al. ubil) hunt niht gelu- 
chen mege den munt etc. — Vgl. hole. 
♦ganzen: bellen; Zipser Mundart: 
kauzen, R. II, 237. Schm, kennt gautzen, H, 
88, und kauzen, kaunzen, II, 346, vgl. 
Weinh. 26: Gauze. 
geben; geben, III. Pers. * geilt: gibt, 
R. II, 234, Br. 147, part. praßt, gegen, L. 67. 
Sonst in der Zips git: er git mer nischt, 
die zeit kommt dasz unser grof die grof- 
scliaft aufgeit. Wilk. 56. * ben me's Beib 
net z'öu essen geit. Firm. II, 811.
	        
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