Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 24. Band, (Jahrgang 1857)

Die deutsche Königswahl bis zur goldenen Bulle. 
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könnte. Es wurde daher in der im Jahre 1077 getroffenen Anordnung 
nur das ältere Recht, wie es stets in den germanischen Reichen gegol 
ten und nur durch die Ottonen und Salier eine Modification erfahren 
hatte, wieder hergestellt, indem jene wie diese, eben wohl auch nicht 
ohne Tadel, zweimal der wirklichen Erledigung des Thrones durch 
die bei ihren Lebzeiten vorgenommenen Wahlen ihrer Söhne vor 
beugten. 
Sechstens ist die Wahl Rudolfs wegen der Anwesenheit des 
päpstlichen Legaten und des hervortretenden Einflusses des Papstes 
auf diese Verhältnisse von Wichtigkeit; ein Gegenstand der erst 
weiter unten seine Erledigung finden kann. 
Rudolf sass nur eine kurze Zeit auf dem Throne; in derSchlacht 
an der Elster hatte er eine Hand verloren und starb dann in Folge die 
ser Verstümmelung, ln der Todesstunde wurde er noch durch die 
Zusicherung des um ihn versammelten Adels getröstet: und wenn er 
beide Hände verloren hätte und am Leben bliebe, würde man doch 
keinen Andern an seine Stelle wählen 13 °). 
Nachdem Rudolf gestorben, sendete der sächsische Adel zu allen 
übrigen Fürsten deutscher Zunge, Freund und Feind, und forderte 
sie zu einer allgemeinen Versammlung zum Zwecke einer neuen 
Königswahl auf. Die Sachsen erklärten, sie seien bereit sich Jedem 
zu unterwerfen und ihn als König über sieb anzuerkennen, mit Aus 
schluss Heinrich’s und seines Sohnes 130 ). Es fanden sich aber nur 
die Sachsen und Schwaben zu Bamberg zusammen und wählten nach 
langem Verhandeln einstimmig 131 ) Hermann von Salm, der dann in 
Goslar zum König gekrönt wurde. Es ist bekannt, wie sich Hein 
rich IV. auch gegen diesen behauptete und wie das salische Ge 
schlecht, so lang es selbst bestand, den deutschen Königsthron be 
hielt. Dann aber ging noch einmal, wenngleich auf kurze Zeit, das 
Reich auf die Sachsen über. 
129 ) Bruno 1. c. cap. 124, p. 381. 
13 °) Bruno 1. c. cap. 130, p. 184: Principes vero Saxoniae cunctis gentibus Theutonicae 
linguae, non minus inimicis, quam amicis, legatos miserunt, rogantes, ut Heinrico 
filioque ejus excepto, quemlibet alium rectorem eligerent; se ei, quicumque esset, 
fideliter servituros pollicentes, quatenus omnia regni membra, sicut olim fuerant, in 
unum sub uno rege convenirent. 
131 ) Bruno 1. c.: de communi negotio regis constituendi communi consilio tractaverunt 
et post multos tractatus, ut Hermanum eligerent, unanimiter omnes consenserunt.
	        
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