Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 24. Band, (Jahrgang 1857)

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Phillips. 
der vorangehenden Wahl zur Sprache gebracht worden sind und bei 
jener nur von den Laienfürten die Bedingung der Gewährung von 
Entschädigung gestellt wurde. 
Fünftens ist die Zusage Rudolfs, dass er nicht schon hei seinen 
Lebzeiten seinen Sohn zum Könige machen wolle, allerdings von 
besonderer Wichtigkeit und bedarf näherer Erläuterung. Nach der 
Erfahrung welche die Fürsten an Heinrich IV. gemacht hatten, der 
als Kind auf den Thron kam und schon als Jüngling ein Todfeind 
eines der deutschen Hauptstämme geworden war, schien es in der 
That bedenklich, das Wahlrecht ganz in den Hintergrund drängen 
zu lassen. Dazu war bereits der Anfang gemacht, indem die beiden 
ersten Herrscher aus dem salischen Geschlecht, seihst mit der Macht 
fülle bekleidet, die Wahl ihrer Söhne leicht bewerkstelligt hatten. 
Es begreift sich, dass vorzugsweise die Sachsen weder Hein 
rich noch seine Nachkommenschaft auf dem Throne sehen wollten, 
in dem Sohne die gleichen Eigenschaften mit dem Vater voraus 
setzend. Sie gingen dabei von jener germanischen Anschauungs 
weise aus, welche nachmals, als Heinrich IV. den Sachsen seinen 
Sohn als König anbot, Otto von Nordheim auf derbe Weise also aus 
drückte: „Schon oft sah ich von einem bösen Stier ein böses Kalb 
gezeugt werden; darum trage ich nach dem Sohne eben so wenig, 
wie nach dem Vater Verlangen“ 127 ). 
Aber auch Rudolf, der nicht Sachse von Gehurt, hatte sich als 
König noch nicht bewährt und darum wollte man es hindern, dass 
er nicht durch Veranlassung der Wahl seines Sohnes, nament 
lich wenn sich derselbe etwa noch im Kindesalter befinden sollte 13S ), 
schon hei Lebzeiten für sein Geschlecht sorge. Man traf daher 
eine solche Vorkehr, die sich etwa mit dem canonischen Insti 
tute der Coadjutorie cum jure succedendi vergleichen lässt. Damit 
erklärte man aber keineswegs das deutsche Reich unbedingt für ein 
Wahlreich und wollte auch nicht völlig von dem Princip der Erblich 
keit sich lossagen, sondern nur ein solches Erbrecht verbannen, wel 
ches sich ganz unabhängig von der Wahl der Fürsten geltend machen 
127 ) Bruno 1. c. cap. 125, p. 381: Cui legationi (lux Otto, sicut erat solitus jocose 
magna seria nonnullo schemate ludendi velare, respondit: Saepe, dicens, ex bove 
malo malum vitulum vidi generatum, ideoque nee filii nee patris habeo desiderium. 
128 ) Siehe Paul. Bern ried. (Note 121).
	        

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