Full text: Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 14. Band, (Jahrgang 1854)

374 Hyrtl. Beweis, dass die Ursprünge der Coronar-Arterien, während der 
den Beginn einer langen Polemik in meinem Vorhaben zu erblicken; — 
es handelt sich nur um eine anatomische Berichtigung! 
Es hiess in jenem Vortrage: 
1. Die Halbmondklappen der Aorta bedecken die 
Ostien der Kranzarterien während der Systole der 
linken Kammer. 
Die Geschichte der Anatomie lehrt, dass diese Behauptung lange vor 
Haller aufgestellt wurde 1 ). R. Vi euss ens, Fant oni, M. Lancisi, 
H. Boerhave 3 ), und vor ihnen einige andere Männer, deren Namen 
weniger guten Klang haben 3 ), waren in diesem Irrthum befangen, 
welchen Haller 4 ) vor hundert Jahren gründlich widerlegte. — In 
neuerer Zeit tauchte diese Vorstellung hie und da wieder auf, und als 
mein verehrter Freund, Prof. Retzius, im Jahre 1843 den trefflichen 
Aufsatz schi'ieh 5 ), welcher uns über den Mechanismus des Klappen 
schlusses in der Aortenwurzel so vollständig und bündig belehrte, 
scheint die dem Aufsatze beigegebene Abbildung«) dieser Vorstellung 
ein neues Gewicht verliehen zu haben. Da jedoch in diesem Aufsatze 
von den Kranzarterien gar nicht gesprochen wird, indem sie nicht 
zur Sache gehören, kann den Verfasser desshalb kein Tadel treffen, 
um so weniger, als die Ostien der Kranzarterien wirklich bei grösserer 
Entwickelung der Sinus Valsalvae, noch in das Bereich der letzteren 
fallen. Ich habe mich durch zahlreiche Autopsie an den Objecten 
unseres Secirsaales hinlänglich überzeugt, dass die Ursprünge der 
Kranzarterien in der Regel über den Sinus Valsalvae stehen, häufig 
sogar durch eine noch zu wenig untersuchte Zone, welche die 
Aorta dicht über den drei Sinus wie ein Band einzuschnüren scheint, 
von letzteren auf die deutlichste Weise abgemarkt werden, und 
A ) Jedoch nicht allgemein. Senac hat, auf der 13. Tafel seines Werkes über die Herz- 
hewegung, das Verhältniss der Klappen zu den Ursprüngen der Coronar-Arterien 
richtig dargestellt, und Fauton us, welchen II aller und M o r g a g n i citiren, sagt: 
„omnes veile, non sine ratione videri, ut etiam in Systole cordis, arteriae coronariae 
sanguinein reciperent“. 
2 ) Institutiones med. num. 183. Hier wird gesagt: „arterias cordis esse in diastole, dum 
reliquae corporis arteriae in systole constituuntur“. 
f) J. B. Morgagni Hess die Frage unentschieden : „nos quidem rem in medio relinqui- 
„mus“. Adversaria anat. Lugd. Bat. 1723. Adv. V, pag. 38. 
4 ) Elementa physiologiae. Tom. I. 
5 ) Miiller's Archiv, 1843, pag. 14. 
6 ) Figur 6, wo die Ursprünge der Coronar-Arterien auf der grössten Wölbung der Sinus 
Valsalvae stehen.
	        
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