Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 19. Band, (Jahrgang 1856)

Pflege der Numismatik in Österreich. 
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Der französische Tourist Karl Patin (s. oben S. 60), der seine 
Relationen über die beiden Besuche Wiens im August 1669 und im 
J. 1673 niederschrieb, ertheilt das schönste Lob den kaiserlichen Samm 
lungen, von denen er besonders der Bibliothek und dem Münz-Cabi- 
ii et alle Aufmerksamkeit widmet. Auf Seite 12 erwähnt er der dort 
verwahrten 2200 Silbermünzen von der römischen Kaiserinn Sabina 
(f 138), alle mit der Rückseite „VENERI GENITR1CI“, sämmtlichecht 
antik, von schönem Gepräge und guter Erhaltung. Diese mochten von 
einem einzigen Funde herkommen, dann zum Theile im Laufe der Zeit 
als Doubletten zum Tausche für fehlende Stücke verwendet worden 
sein. Vorzüglich interessirten ihn Jakob Strada’s Zeichnungen die 
er unvergleichlich und unterrichtend nennt. Er war über die Ehre, 
Sr. kaiserlichen Majestät persönlich seine Ehrfurcht bezeugen zu 
können, hoch erfreut und lobt Allerhöchstderen Herablassung und 
Herzensgüte. Eines Tages hatte er das Glück Zeuge zu sein, wie 
Seine Majestät selbst die Bildergallerie und das Cabinet der antiken 
Münzen besuchte. Vierthalb Stunden hindurch sah er hier nach 
S. 18 den römischen Kaiser im Verkehr mit seinen durchlauchtigsten 
Ahnen und fügt hei, dass man dies anderwärts nicht sehen könnte. 
Grosses Lob zollt er ferner der umfassenden Gelehrsamkeit und 
seltenen Gefälligkeit des Bibliothekars Lambecius den er 
während seines zweiten Aufenthaltes durch drei Monate fleissig 
besuchte. 
Im Jahre 1669 war, wie wir aus Patin’s erster Relation S. 7 
ersehen, noch eine zweite Hofsammlung in Wien, nämlich die 
des 1662 verstorbenen Erzherzogs Leopold Wilhelm. Dieser 
kunstliebende Fürst hatte während seiner Statthalterschaft in den 
spanischen Niederlanden (von 1647—1656) eine kostbare Gemälde- 
Gallerie von 1500 (?) Stücken angelegt, die somit damals mit der des 
Kaisers welcher jene von seinem edlen Oheim geerbt hatte, noch 
nicht vereinigt war. Das nämliche Cabinet enthielt auch an 300 (?) 
antike Statuen von Marmor und Bronze, wie auch eine Serie von 
800 verschiedenartigen antiken Goldmünzen, ausgezeichnet 
eben so sehr durch die Seltenheit und Merkwürdigkeit des Gepräges 
als durch ihren innern Metallwerth; ausserdem eine gewaltige Masse 
von griechischen, dann Consular- und Kaisermünzen, wie auch andere 
in Gross- und Mittelbronze. Patin besass hiervon einen genauen 
Katalog der durch seine Reichhaltigkeit überrascht.
	        
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