Object: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 29. Band, (Jahrgang 1858)

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Dr. Karl W e i n h o I d. 
hier durch manehe Umstände begünstigt einiges reiner ist. Um 
manches besser ist es in Dänemark, weil hier die Verhältnisse be 
deutend einfacher als in Deutschland liegen; um so weniger sollte 
man sich dort dieses kleinen Vortheils überheben. 
Meine Aufgabe war, den wichtigsten Abschnitt der Grab- oder 
Todtenalterthümer des deutschen Landes zu geben: die Darstellung 
der heidnischen Bestattungsarten. Zur vollen Erschöpfung hätte die 
eingehende Besprechung aller Beigaben gehört, was aber zuletzt 
eine Geschichte der Plastik und Toreutik der verschiedenen Bewoh 
ner Deutschlands bis zur merovingischen und karolingischen Zeit 
geworden wäre. Darauf konnte ich natürlich nicht meine Absicht 
lenken. Ich habe daher diese Dinge nur nebenbei behandelt und 
wünsche durch meine Bemerkungen genützt und namentlich angeregt 
zu haben. Eine reiche Fundgrube harrt hier noch des umsichtigen 
und vorurteilsfreien Arbeiters. 
Für die Herbeischaffung des Stoffes hat es mir nicht an Geduld und 
Mühe, wohl aber in einzelnen Fällen an Glückgefehlt*). Man weiss, wie 
verstreut die Berichte über diese Dinge sind und dass sie grösstenteils 
in Schriften sich verbergen, welche im Buchhandel unerreichbar sind. 
So kann ich nur wünschen, dass mir nichts Wesentliches entging. 
Alle heidnischen Gräber Deutschlands verteilen sich nach ihren 
augenfälligen Kennzeichen in drei grosse Gruppen: I. in Steinbauten, 
II. in Erdhügel, III. in flache Grabstätten, wonach wir auch unsere 
Besprechung gliedern. In allen dreien finden wir eben so wohl unver 
brannte als verbrannte Leichenreste, was für die reiche zweite und 
dritte Classe eine Unterabtheilung nötig macht. Wir werden nach- 
weisen, dass die Steinbauten einer ganz anderen Zeit als die Erd 
gräber angehören und werden auch landschaftliche Unterschiede 
bemerken. Die Hünengräber, wie die Steinkisten der ältesten Todten 
gewöhnlich heissen, kommen im Süden gar nicht vor, und bei den 
flachen Gräbern trennt die Verbrennung oder die blosse Bestattung 
den Süden und Westen vom grössten Theile des Nordens Deutsch 
lands. Die mannigfachen Beigaben bei den Todten sind nicht blos 
das wichtigste Mittel, die Zeitfolge dieser Denkmale zu bestimmen, 
sondern entrollen zugleich ein lebendiges Bild von dem Leben dieser 
verschwundenen Völker und verschollenen Zeiten. 
) So war es mir nicht möglich, die Berichte des Sinsheimer Alterthumsvereines zu 
erlangen, in denen Wilhelmi gute Zusammenstellungen gegeben haben soll.
	        

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