Full text: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 170. Band, (Jahrgang 1913)

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V. Abhandlung’: Wahrmund. 
nehmen, respektive zu beantworten, Verfügungen zu treffen 
u. dergl. in. 1 Das hievon Zeugnis ablegende Akten material 
wird nun von der Kurie seit Jahrhunderten dem Konsistorial- 
archive einverleibt. Dieses ist somit auch das Archiv für die 
amtliche Tätigkeit des Kardinalkollegiums während der Sedis- 
vakanz. Hieraus ergibt sich schon, daß das Konsistorialarchiv 
höchstens für die äußere Geschichte der Papstwahlen, ich 
meine für die mit ihnen zusammenhängenden offiziellen Vor 
gänge, Formalitäten und Zeremonien in Betracht kommt, daß 
dagegen über die Geheimnisse der Konklaven dort wenig oder 
gar kein Aufschluß zu holen ist. 2 Ausnahmen von dieser Regel 
sind wohl überaus selten. Allerdings finden sich Sammlungen 
der altherkömmlichen Konklavenberichte meist ungenannter 
Autoren auch hier. Aber diese Berichte sind in römischen 
Archiven und Bibliotheken so allgemein verbreitet und ander 
wärts um so viel zahlreicher vertreten, daß ihr Vorhandensein 
im Konsistorialarchiv kaum auffällt und unbedingt nicht als 
1 Hierzu kamen, wie gesagt, in früheren Zeiten noch die ganzen Agenden 
der interimistischen Verwaltung des Kirchenstaates. 
2 Mit Bezug auf die Protokolle der Abstimmungen in den Skrutinien be 
merkt Eisler, 1. c., S. 150: ,Über die Wahlvorgänge selbst geben nur 
die gewöhnlich zu einem besonderen Hefte vereinten Skrutinienblätter 
Aufschluß. 1 Auch diese Bemerkung ist ungenau und irreführend. Aller 
dings gehörten die ,Skrutinienblätter 1 dem oben Gesagten nach eigentlich 
ins Konsistorialarchiv und die von Eisler, ibid., n. 5, auszugsweise mit 
geteilte Instruktion für den Konklavensekretär bestimmt auch (XVI, 8): 
,Deve tenere il segretario tutt’i fogli de’ scrutinii, che si fanno di giorno 
in giorno per l’elezzione del Papa, per inserirgli fra gl’atti del Con- 
clave. 1 Allein in der Praxis scheint es mit dieser Vorschrift nicht sehr 
genau genommen worden zu sein, denn die von mir durchgesehenen 
Bände weisen aus dem langen Zeitraum vom Tode Urbans VIII. bis 
zum Tode Klemens XII. nur bei zwei Konklaven die Skrutinienblätter 
auf und auch diese nicht ganz vollständig und teilweise in Abschrift, 
während man nach Eislers Notiz doch glauben sollte, daß diese Blätter 
einen regelmäßigen Bestandteil der Konsistorialakten bilden. Im übrigen 
sind die Skrutinien glücklicherweise nicht verloren gegangen; ich habe 
sie in der Bibliothek der Barberini gefunden, die es ja bekanntlich mit 
großem Geschick verstanden haben, interessante Handschriften und 
Akten zu sammeln. Die Codices Barberiniani XXXIII. 128, IL. 44, 
IL. 46—60 und LI. 37 enthalten mit geringen Lücken die Skrutinien 
der Konklaven von Urban VIII. bis zu Pius IX. Sie ergänzen also in 
erfreulicher Weise das Defizit der Konsistorialakten.
	        

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